Anime-Boom mit Risiko: Steuert die Branche auf eine Krise zu?

Der Anime-Markt erlebt derzeit ein historisches Wachstum. Nach Einschätzung eines prominenten Produzenten birgt dieser Boom jedoch auch Risiken und könnte auf lange Sicht erhebliche strukturelle Probleme verursachen. Wir fassen zusammen.

Anime-Bubble als Warnsignal

Mitsuhisa Ishikawa, der Gründer von IG Port und Präsident des Studios Production I.G, das für Werke wie »Ghost in the Shell«, »Haikyu!!« und »Psycho-Pass« bekannt ist, äußerte sich in einem Gespräch mit der Visual Industry Promotion Organization (VIPO) ungewöhnlich kritisch über den aktuellen Zustand der Anime-Industrie.

Seiner Einschätzung nach befinde sich die Branche derzeit in einer Art »Bubble«, die zwar für starkes Wachstum sorge, gleichzeitig aber auch durch die rapide steigende Anzahl an Produktionen und den stark gestiegenen Verkaufspreisen langfristig einen »Eliminationsprozess« schaffe, dem nur wenige Unternehmen gewachsen seien.

Der Produzent betonte außerdem, dass der internationale Markt durch Streaming-Dienste wie Netflix und Disney+ deutlich zugelegt habe. Dadurch habe sich zwar die globale Reichweite von Anime erhöht, jedoch sei auch der Wettbewerb viel intensiver geworden – insbesondere in Bezug auf die Nachwuchsförderung.

Neue Talente würden inzwischen weltweit hervorgebracht, weshalb Japan im Anime-Sektor nicht länger selbstverständlich die führende Position innehabe.

Gelinge es künftig nicht, Produzenten und kreative Leitungspersonen mit international konkurrenzfähigem Niveau auszubilden, drohe langfristig ein Bedeutungsverlust beziehungsweise eine schrittweise Verdrängung.

Steigende Budgets

Problematisch sei aus seiner Sicht jedoch nicht allein die kreative Entwicklung, sondern ebenso die wirtschaftliche Dimension. Fehle es an Managern und Produzenten, die Inhalte erfolgreich auf dem internationalen Markt platzieren können, seien dem weiteren Fortschritt klare Grenzen gesetzt.

Gleichzeitig seien die Anime-Produktionsbudgets teils massiv gestiegen und hätten sich in bestimmten Fällen zuletzt sogar mehr als verdoppelt. Laut Ishikawa bewegen sich die aktuellen Kosten pro Episode zwischen rund 18 und 300 Millionen Yen, was umgerechnet etwa 96.000 bis 1,6 Millionen Euro entspricht.

Dies eröffne kreativen Teams zwar neue Chancen, zugleich würden Investoren jedoch vor immer größere Herausforderungen gestellt. Zudem entwickle sich die Branche zunehmend auseinander, wodurch viele Projekte in bestimmten Budgetsegmenten – insbesondere kleinere und mittelgroße Produktionen – kaum noch umsetzbar seien und langfristig vollständig vom Markt verschwinden könnten.

Trotz der zahlreichen Warnsignale bietet die aktuelle Entwicklung natürlich auch große Chancen, doch ob daraus langfristig eine stabile Expansion oder harte Konsolidierung entsteht, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie gut es Japan gelingen wird, seine kreativen und wirtschaftlichen Führungsrollen im globalen Wettbewerb zu behaupten.

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Via VIPO
© H.Furudate / Shueisha, HAIKYU!! Project, MBS

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12 Kommentare
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Ich

Krise … die ist doch eigentlich schon da. Ich meine man steht doch schon am Rand – und macht auch keine Anstalten sich davon zu entfernen. Man fragt sich eher warum das so ist und ignoriert die Probleme. Das ist nichts anderes als sehenden Auges in den Untergang zu gehen.

Und die steigenden Budgets? Es ist ja schön, dass sie steigen, aber wo geht das Geld dann eigentlich hin? Die Situationen der Angestellten hat sich ja nicht großartig gebessert und es macht auch nicht unbedingt den Anschein, dass das in nächster Zeit passieren würde.

Fehle es an Managern und Produzenten, die Inhalte erfolgreich auf dem internationalen Markt platzieren können, seien dem weiteren Fortschritt klare Grenzen gesetzt.

Das ist sicherlich nicht unwichtig. Aber man sollte auch mal an’s andere Ende schauen: Was nutzt es besagte Manager und Produzenten zu haben, wenn keiner da ist die Inhalte herzustellen?

sidratho

Seiner Einschätzung nach befinde sich die Branche derzeit in einer Art »Bubble«, die zwar für starkes Wachstum sorge, gleichzeitig aber auch durch die rapide steigende Anzahl an Produktionen und den stark gestiegenen Verkaufspreisen langfristig einen »Eliminationsprozess« schaffe, dem nur wenige Unternehmen gewachsen seien.

Eine Bubble, die nur diese Branche betrifft, ist das sicher nicht. Diese Entwicklung ist doch in der gesamten Weltwirtschaft zu beobachten. Angefangen hat das von ca. 25 Jahren: große Konzerne fingen an, kleine und mittlere Unternehmen aufzukaufen, und sind damit immer größer und mächtiger geworden. Mittlerweile bestehen in vielen Bereichen nur noch wenige, gigantische Konzerne. Für den Kunden bedeutet das: kaum noch Auswahl und Ausweichmöglichkeiten, wenig Konkurrenz und damit abnehmende Qualität.

Niemand sollte sich einbilden, dass die Anime-Branche da eine Ausnahme ist.

Kista557

Es gibt da schon eine Blase, nur wird die hier im Video nciht angesprochen. Was in japan seit Jahren passiert, ist die Web Novel -> Light Novel -> Anime Pipeline. Mit anderne Worten, alle Web Novels, und seien sie ncoh so schlecht, werden aufgegriffen und zu Animes verarbeitet.
DIe produzieren im Moment unglaubliche Mengen animierten Müll, der letztendlich nur als Werbung für den Light novel und den manga dient. Und das schmälert den Wert des Mediums Anime.

Oelgo

Natürlich ist die derzeitige Mainstream-Popularität von Anime in gewisser Weise eine Blase, die irgendwann platzen wird. Die Frage ist nur, wie groß diese Blase wirklich ist und wie groß sie nach dem »Knall« noch sein wird…

Problematisch sehe ich neben dem im Artikel genannten Faktoren auch, dass heute viele an die Gen-Z gerichtete Anime ganz unverhohlen auf den „Coolness-Faktor“ setzen, allen voran die drei letzten großen Action-Hits „Demon Slayer“, „Jujutsu Kaisen“ und „Chainsaw Man“ – also, dass die „coole“ Wirkung mit „lässigen/quirky“ Charakteren und beeindruckenden Visuals wichtiger sind als eine tiefgründige und wirklich mitreisende Story. Anders als viele der fast schon überkomplexen Klassiker aus den 80ern und 90ern (teils auch noch 2000ern/2010ern) wird der „Langzeiteffekt“ solcher Serien nach dem extremen Hype gering bleiben. Bei der Serie „My Hero Academia“ kann man diese Entwicklung bereits beobachten – das war von nicht einmal zehn Jahren der erste große neue gehypte Anime, von dem inzwischen fast keiner mehr spricht und im Unterscheid zu echten Klassikern auch keinen wie auch immer gearteten Nachschub (Prequels/Sequels/Side-Storys) mehr fordert, nachdem die Serie beendet worden ist. Und diese Entwicklung könnte auch Auswirkungen auf Anime (und natürlich Manga als deren Vorlage) als Ganzes haben, also dass Anime/Manga im kommenden Jahrzehnt, wenn dann die sogenannte Generation Alpha das popkulturelle Sagen haben wird, als „Hype der 2020er-Jahre“ und damit als lahm und öde gebrandmarkt sind…

Guts

Laut Ishikawa bewegen sich die aktuellen Kosten pro Episode zwischen rund 18 und 300 Millionen Yen, was umgerechnet etwa 96.000 bis 1,6 Millionen Euro entspricht.

Der Anime mit den angeblichen 1,6 Mio. würde mich da dann doch interessieren, denn der Betrag klingt sehr utopisch. Kann mir da eigentlich nur Scott Pilgrim vorstellen, das auch nur aufgrund der englischen Originalsprecher.

Marcus Cyron

Man muss sehen, dass er über Japan spricht. Und nicht unbedingt dasselbe meint, was wir verstehen. Wenn er über internationale Konkurrenz spricht, über internationale Talente, dann meint er nicht »Anime« als ostasiatische Trickfilme, sondern er spricht über die generelle Entwicklung der internationalen Trickfilme. »Anime« meint in Japan jede Form animierter Filme und Serien, nicht nur das Einheimische. Früher war international da noch Disney, aber das hat sich deutlich geändert. Frankreich, Spanien, zum Teil Skandinavien, zum Teil Lateinamerika, ja selbst im arabischen Raum werden immer mehr hochklassige Trickfilme produziert. Und anders als früher auch heimisch umgesetzt, und nicht mehr wie frührt sehr oft von japanischen Subunternehmern. International wächst die Zahl, die Reichweite, die Qualität, die Akzeptanz und die Durchdringung animierter Werke.

Japan hat bislang einen großen und zumindest noch auch steigenden Anteil. Aber – und das dürfte das sein, was er meint – scharren schon viele mit den Hufen um davon zu partizipieren. Und das nicht selten überaus kreativ. Wie groß die Grenzen für Japan sind, sieht man ja bei den Oscars. Da wird Japan, wenn man mal die zum Teil mittlerweile oft nur noch mittelmäßigen US-Animationsfilme ignoriert, oft von Werken aus anderen Teilen der Welt ausgestochen. Die eben nicht selten sehr gut sind. Und das zunehmend auch im Serienbereich. Und da zieht – wahrscheinlich auch beeinflusst durch die japanischen und koreanischen Anime – dreht zuletzt auch die USA wieder deutlich auf. Die lasche Simpson-Phase scheint vorbei.

Schon früh hatte man in den USA erste Anleihen bei den Japanern genommen, etwa bei der heute deutlich höher geschätzen Serie »Spawn«, als zu deren Entstehungszeit, wo man noch nicht in der Breite kapiert hat, dass Animation nicht bedeutet, dass etwas für Kinder ist. »Rick & Morty« verbirgt gar nicht, dass es in Teilen vom Anime herkommt. »F Is for Family« muss man nennen, »Harley Quinn«, »Hazbin Hotel«/«Helluva Boss«, »Lower Decks«, »Bojack Horseman«, »Prodigy« und das geniale »Arcane«. Und zuletzt „Common Side Effects“. In Japan wird derzeit sehr viel in die Breite produziert. Dabei kommt viel Gutes bei rum – aber eben auch viel Mittelmaß und Einiges an Müll. Das ist dann verschenkte, verpuffte Energie. Das kann man dann auch sehr wohl kritisch sehen und so benennen.

Guts

Es zeichnet sich ja bereits bei den Manga ab, wo die Reise hingehen könnte. Der Markt wurde überflutet und es ist das passiert, was passieren musste, die Manga-Verkäufe stagnieren wieder oder gehen sogar zurück. Comics dagegen wachsen weiter.

Kista557

Und das hast du wo noch einmal her? Bisher sieht es vor allem in den USA so aus, also ob Manga den einheimsichen Comics weiterhin die Wurst vrom Brot nimmt.

Toshi

Auf eine Krise Folgt die Nächste: Wer sagt den das es immer so weiter geht mit den Anime Boom? Grade im Punkt Kreativität die vielleicht noch weniger wird.

Streaming: Wenn alles immer Teurer wird, können die Abo´s auch zurück gehn, oder laufen dann nur zu Season X die Grade stark ist.

Piraterie befeuert das Problem, wer einmal damit anfängt »nur« 2-3 Serien Illegal zu gucken, wird sich fragen wozu ein Abo wenn es fast nur noch Müll läuft?

DVD&Bluray mal abwarten, wenn die »Alten« Fans nicht mehr da sind.

Den was bringt es ein Anime zu Produzieren, wenn der Markt dafür zu Unattraktiv wird, Ziel ist es auch hier es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Rad

Die Krise ist schon lange bekannt.

Was man tun müsste und sollte auch.

Warum man es dann nicht macht, ist die unbeantwortete Frage?

CybernetikFrozone

klingt wie ein Text denn ich schon seit einigen jahren lese. Blabla mir egal,ich habe die Anime die ich richtig gut finde bereits da,das ist dasselbe wie in der Videospielbranche,manchmal braucht es einfach einen fetten Bang,dann sind zwar alle arbeitslos aber überlegt mal: überall außer in der Videospiel-und Animebranche verdient mann mehr und man muss weniger arbeiten,dazu ist die Suizidrate auch geringer.

Ai Hoshino

Zudem entwickle sich die Branche zunehmend auseinander, wodurch viele Projekte in bestimmten Budgetsegmenten – insbesondere kleinere und mittelgroße Produktionen – kaum noch umsetzbar seien und langfristig vollständig vom Markt verschwinden könnten.

Kommen noch viele iseksis ist also noch alles gut