Regisseur übt scharfe Kritik: Sind moderne Anime nur noch »Junk Food«?

Laut Regisseur Goro Taniguchi kämpft die heutige Anime-Industrie mit mehreren grundlegenden Herausforderungen, die sich seiner Meinung nach negativ auf die Qualität zahlreicher Produktionen auswirken. Wir fassen zusammen.

Regisseure verlieren die Kontrolle

Während eines Vortrags an der Keio-Universität kritisierte Taniguchi, der unter anderem beim Film »One Piece: Red« Regie führte, dass in vielen Produktionen die einzelnen Abteilungen zunehmend unabhängig voneinander arbeiten würden.

Als Beispiel nannte er Aufnahmen von Szenen vor und nach der Nachbearbeitung, die Kameraregisseure gelegentlich in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Häufig seien diese Korrekturen notwendig, weil bereits das Ausgangsmaterial Mängel aufweise.

Nach Ansicht des Regisseurs sollte jedoch die kreative Gesamtvision von Anfang an durch die Regie vorgegeben werden. Wenn jede Abteilung eigene Entscheidungen treffe, ohne dass diese ausreichend koordiniert werden, entstehe zwar ein technisch ansprechendes Ergebnis, jedoch kein geschlossenes Gesamtwerk.

Für solche Produktionen verwendete Taniguchi den Begriff »Junk Food Anime«, da verschiedene Elemente zwar für sich genommen funktionieren würden, am Ende jedoch die kreative Einheit fehle.

One Piece: Red

Kürzere Staffeln erschweren die Ausbildung

Zudem sprach der Regisseur über die Folgen des Trends zu kürzeren Anime-Staffeln mit nur einem Cour, deren Zahl sich seit Mitte der 2000er-Jahre deutlich erhöht habe.

In Folge dieser Entwicklung würden Nachwuchskräfte meist nur an wenigen Episoden mitarbeiten und dadurch deutlich weniger praktische Erfahrung sammeln als früher. Taniguchi sieht darin eine der Ursachen für den schrittweisen Zusammenbruch des traditionellen Ausbildungssystems innerhalb der Branche.

Aus diesem Grund seien laut ihm nur Studios mit langjährigen Serienproduktionen für Kinder noch in der Lage, junge Talente systematisch auszubilden. Zu ihnen zählen Toei Animation, TMS Entertainment und Shin-Ei Animation.

Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Anime produziert werden, könnten die von Taniguchi angesprochenen Entwicklungen entscheidend dafür sein, ob die Branche ihre kreative Qualität langfristig bewahren kann.

Mehr zum Thema:

One Piece: Red

Via Asahi Shimbun
©1999 Toei Animation Co., Ltd. ©Eiichiro Oda/Shueisha, Toei Animation

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4 Kommentare
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Ich

Eine interessante Definition dafür. Auch wenn ich die Begrifflichkeiten so nicht teilen würde, finde ich doch aber, dass heutzutage Anime, die man als Fast Food bezeichnen kann, durchaus häufig vorkommen.

Es ist dann meist auch nicht so, dass sie nicht unterhaltsam wären. Das aber dann eben nur einmal. Sprich, man schaut es sich einmal an und fühlt sich auch unterhalten, aber wenn es vorbei ist, ist es auch kein großer Verlust.

L3xx

Hmm. Ist bei mir schon immer so gewesen. Ich guck ganz selten einen Anime mehrmals. Was ich tatsächlich öfters geguckt habe ist Mashle: Magic and Muscles. Und den tatsächlich mehrmals. Und werd ich vor der 3. Staffel wohl noch mal machen. Solo Leveling hab ich auch 2 oder 3 mal angeguckt.
Aber ansonsten eher nix. Also schon gar nicht die Anime die ich vor 20 Jahren gesehen habe. 🤷‍♂️
Aber klar. Man merkt schon das die Qualiät oftmals wirklich zu wünschen übrig lässt. Leider oftmals die, die ich Story-technisch gar nicht so uninteressant finde.

Prh-parohe

Ich bin derzeit mit »Gachiakuta« und »Golden Kamuy« beschäftigt, welche ich echt gut gemacht finde.
Davor hab ich einige Anime allerdings abgebrochen, die mir irgendwann zu öde wurden (z.B. »Kill La Kill« ab Folge 7, »Tower Of God Season 2« ab Folge 6 oder sogar das viel gelobte »Solo Leveling« nach Folge 8).
Nebenbei schau ich immer mal wieder »Tegami Bachi« weiter, welches allerdings ohne deutsche Synchro auskommen muss.

Falls ich mal weniger Zeit habe, aber dennoch kurzfristig unterhalten werden möchte, tun es auch ein paar Highlight-Episoden älterer, inzwischen totgesuchteter Anime wie »Yu-Gi-Oh!« oder »One Piece«.

Ich denke, das Zeitalter der großen Langzeit-Anime ist entgültig vorbei!
Die allerwenigsten werden sich noch solche Mammutwerke wie »Dragon Ball Z« (291 Folgen) oder »One Piece« (über 1100 Folgen) von Anfang an und kontinuierlich geben. Und bei Anime wie »Pokémon« ist es sogar nicht einmal nötig, sich alle Staffeln zu geben, zumal die Animationsqualität der ersten Staffeln Zuschauer, die erst vor kurzem eingestiegen sind, mit Sicherheit noch zusätzlich abschrecken dürften.

Ich

»Kill La Kill« ab Folge 7

Da kommt aber noch so einiges danach, aber okay. Wenn’s nicht Klick macht, ist das eben so.