Die Arbeitsbedingungen in der japanischen Anime-Industrie haben sich nach Angaben von Motoki Tanaka, Gründer und CEO von Bibury Animation Studios, in den letzten Jahren deutlich verbessert. Niedrige Gehälter und übermäßige Überstunden seien vielerorts nicht mehr selbstverständlich. Wir fassen nachfolgend zusammen.
Weniger Überstunden und zuverlässigere Gehälter
In einem X-Beitrag wandte sich Tanaka an Menschen, die über einen Einstieg in die Anime-Branche nachdenken, und ging dabei insbesondere auf die Entwicklung der Arbeitsbedingungen ein. Diese hätten sich ebenso wie der Umgang mit Animatoren und Produktionsmitarbeitern mittlerweile sehr zum Positiven entwickelt.
Seiner Einschätzung nach würden Gehälter mittlerweile verlässlich gezahlt, während Überstunden und Übernachtungen am Arbeitsplatz in vielen Studios deutlich seltener vorkämen. Niedrige Bezahlung und regelmäßige Mehrarbeit würden damit zunehmend nicht mehr als normaler Bestandteil des Berufsalltags gelten.
Auch das Ansehen von Beschäftigten in der Anime-Branche habe sich verändert. Sei ihre Arbeit früher teils belächelt oder als reine Beschäftigung für Otaku abgetan worden, stehe Anime heute laut Tanaka für eine Kultur, auf die Japan weltweit stolz sein könne. Entsprechend könne man auch den eigenen Beruf mit Stolz ausüben.
Einfach sei die Arbeit zwar weiterhin nicht, könne trotz aller Schwierigkeiten jedoch viel Freude bereiten. Wer ernsthaft über einen Einstieg nachdenke, solle es einfach selbst einmal versuchen und sich ein eigenes Bild machen.

Probleme bestehen weiterhin
Ganz verschwunden sind die schlechten Arbeitsbedingungen allerdings nicht. Tanakas Aussagen spiegeln vor allem seine persönliche Wahrnehmung der Entwicklung in vielen Studios wider und lassen sich nicht auf alle Beschäftigten und Unternehmen übertragen. Andere Daten zeigen weiterhin Probleme bei Arbeitszeit und Bezahlung.
Eine von Dezember 2023 bis Januar 2024 durchgeführte Befragung der Japan Anime Film Culture Association (NAFCA) unter 323 Branchenbeschäftigten ermittelte eine durchschnittliche monatliche Arbeitszeit von 219 Stunden und einen Median von 225 Stunden. 30,4 % der Befragten gaben zudem an, mindestens zehn Stunden pro Tag zu arbeiten. Die Organisation bewertete diese Arbeitszeiten als außergewöhnlich hoch.
Auch staatliche Stellen beschäftigen sich weiterhin mit den Bedingungen der Branche. Die japanische Fair Trade Commission veröffentlichte im Juni 2026 gemeinsam mit dem Intellectual Property Strategy Headquarters neue Richtlinien für fairere Geschäftsbeziehungen in der Film- und Anime-Produktion. Vorausgegangen waren Untersuchungen zu den Vertrags- und Arbeitsbedingungen von Kreativen.
Bibury Animation Studios wurde 2017 von Motoki Tanaka gegründet und war unter anderem für »The 100 Girlfriends Who Really, Really, Really, Really, REALLY Love You« und »The Quintessential Quintuplets« (Staffel 2 und Film) verantwortlich.
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Via X
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Aber doch immer gen gesehen.
Was sollte er da auch anderes sagen? ‚Ja, die Bedinungen sind Mist und die Bezahlung nicht der Rede wert, aber kommt ruhig her!‘ Damit hätte man ihm bestimmt die Bude eingerennt …
An sich schön zu sehen das es anscheinend teilweise besser wird, nur wie gesagt noch nicht überall, wenn sich das auch noch ändert und es wirklich überall besser wird, istbdas definitv ein Grund zum feiern
Dieses »Problem« wird sich so etwa 2030 herum sicher erledigt haben, wenn alle der geschilderten Tätigkeiten »KI-isiert« worden sind…
Bei den Zeitangaben japanischer Firmen und auch vieler Berufstätiger sollte man allerdings ohnehin vorsichtig sein: Viele übertreiben da auch mal gerne, weil man sich in der arbeitswütigen Gesellschaft Japans so als »engagiert und fleißig« darstellen kann. Sicher gibt es auch etliche wirklich stressige Jobs, die im schlimmsten Fall im »Karoshi« enden, aber die Produktivität eines japanischen Durchschnitts-Arbeitstages ist mehrfach nachgewiesen nicht wesentlich höher als in Europa oder den USA. Man könnte auch sagen, Japaner arbeiten zwar viel, lassen sich dafür aber auch Zeit (den abwertenden Begriff der Langsamkeit wollte ich nicht gleich anbringen).