Review: Trails of Cold Steel II | PlayStation 3

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Die »Trails«-Reihe gilt unter Fans japanischer Rollenspiele schon länger als Geheimtipp. Nachdem der PSP-Titel „Trails in the Sky“ sich aber nach seinem West-Debüt 2011 nur schleppend verkaufte, blieb lange Zeit die Frage offen, ob mehr Spiele der Serie lokalisiert werden. Zum Jahreswechsel ging der Nischenpublisher XSEED dann aber in die Vollen. Man veröffentlichten nicht nur „Trails in the Sky: Second Chapter“, sondern auch »Trails of Cold Steel« auf der PlayStation 3 und PlayStation Vita. Ein neues Abenteuer, welches aber zu einer ähnlichen Zeit auf dem gleichen Kontinent spielt.

Jetzt, gerade mal 10 Monate nach Release, gibt es auch direkt den Nachfolger, »Trails of Cold Steel II«. Gleich zu Anfang aber eine Warnung: Da »Trails of Cold Steel II« eine sehr direkte Fortsetzung ist, sollte man den ersten Teil vorher gespielt haben. Auch wenn eine ausführliche Story-Zusammenfassung ins Spiel integriert ist, lässt diese wichtige Details aus und kann die Beziehungen zwischen den Charakteren nicht adäquat rüberbringen. Doch es lohnt sich: »Cold Steel II« baut, trotz kleiner Mängel, auf dem Fundament seines Vorgängers auf und bietet ein packendes Abenteuer für JRPG-Fans.

Von politischen Intrigen und großen Rivalitäten

Jahr:2016
Genre:RPG
Publisher:NIS America
Studio:Falcom
USK:12
Plattform:PS3/PS Vita

Die Geschichte um Rean Schwarzer setzt ziemlich direkt am Ende des ersten Teiles an. Nachdem der Elite-Schüler sich in einer gut einmonatigen Statis befand, sind die Nachwirkungen der sich überschlagenden Ereignisse am Ende des ersten Teils voll spürbar. Chaos und Unsicherheit herrscht im Lande Erebonia und ausgerechnet unter diesen Umständen muss Rean nicht nur seine verstreuten Klassenkameraden finden, sondern sich auch dem so übermächtig erscheinenden Rivalen stellen, der ihn und seine Freunde im ersten Teil betrogen hat.

Von diesem Ausgangspunkt startend wird die Geschichte schnell noch komplexer, geht es doch um verfeindeten, politische Fraktionen, Kämpfe zwischen den Gesellschaftsschichten, opportunistische andere Nationen und eine weitreichende Verschwörung.

Doch Trails of Cold Steel II schafft es trotz eines Riege von gut 20 Hauptcharakteren sowie nochmal 20 – 30 Nebenfiguren mit größerer Rolle in der Story den roten Pfaden nicht zu verlieren. Auch wenn man sich manchmal etwas überwältigt fühlen könnte, wie viele Namen und Gesichter man sich merken darf, hat jede Figur ihren Sinn in der Erzählung und gerade dank der wunderbar geschriebenen Dialoge kann man richtig schön bei der intensiven Geschichte mitfiebern. Es hilft auch, dass das Tempo, in dem Reans Abenteuer erzählt wird, nun um einiges flotter ist verglichen mit dem Erstling, der sich auch mal stellenweise in Nichtigkeiten verlor. Am Ende kommt eine rundum großartige Story heraus, die euch auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle schickt und sich vor keinem Vergleich im Genre scheuen muss.


Lebendig und detailverliebt

tocs3Alleine schon, dass fast jeder Nichtspielercharakter nicht nur einen Namen hat, sondern auch eine eigene Persönlichkeit, dürfte zeigen, wie viel Wert die Entwickler darauf gelegt haben, eine lebendige und glaubwürdige Welt zu erschaffen. Dass diese Figuren dann auch noch regelmäßig ihre Dialoge wechseln, setzt dem Ganzen die Krone auf. Manchmal reicht ein kurzer Abstecher in die Wildnis und bei eurer Rückkehr hat jeder Mensch in der Stadt was neues zu sagen.

Und die Dialoge drehen sich nicht nur um die Hauptgeschichte oder sind Reaktionen auf eure Taten. Oft genug wird euch einfach ein Einblick in den Alltag der Bürger Erebonias geboten und ihr erfahrt, wie sie mit der Situation klarkommen, die das ganze Land so stark erschüttert hat.

Zudem habt ihr auch die Gelegenheit eure Beziehungen mit wichtigen Charakteren zu vertiefen. In einem an Persona erinnernden System könnt ihr eure Zeit mit Kameraden verbringen, wodurch ihr sie nicht nur besser kennenlernt, sondern auch Boni freischaltet, wenn diese Figuren gemeinsam in den Kampf ziehen.


Viel zu tun im Lande Erebonia

tocs2Dazu wird auch sehr viel Inhalt geboten. Es gibt unzählige Nebenmissionen, die zudem gut gestaltet sind. Generische Sammel- und Such-Quests sind die Ausnahme, stattdessen fügt sich jede Nebenaufgabe sinnvoll in Geschichte und Gesamtsituation ein. Wer Abwechslung sucht wird bei Aktivitäten wie dem Kochen, Angeln oder sogar Snowboard-Fahren glücklich. Und wer es mal wirklich ruhig angehen will, findet im Spiel gleich mehrere Kurzromane verstreut, die so gut geschrieben sind, dass man sie gerne liest.

Auch in den Kämpfen präsentiert sich »Trails of Cold Steel II« von einer sehr guten Seite. Das Kampfsystem verzichtet zwar auf Charakterklassen, stattet aber dafür jede Figur mit individuellen Spezialfähigkeiten und Waffen aus, die viel taktischen Spielraum bieten. Zudem wurden ein paar neue Kniffe hinzugefügt, wie das Overdrive-System, bei dem befreundete Charaktere für kurze Zeit mehrmals hintereinander agieren können, wenn man eine bestimmte Leiste durch gute Kampfleistungen auflädt.

Der Höhepunkt findet sich dann in spektakulären Bosskämpfen, die nicht nur emotional mitreißend sind, sondern auch eine echte Herausforderung darstellen. Hier wird erwartet, dass man eine überlegte Team-Zusammenstellung wählt, denn Fehler werden schnell bestraft. Insbesondere gehört hier auch der rockige Soundtrack erwähnt, der an den Stil des ehemaligen »Final Fantasy«-Komponisten Nobou Ueamatsu erinnert und auf einem ähnlichen Niveau spielt.


Stagnation im Spieldesign

tocs6Allerdings sind große Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger nicht zu finden. Detailanpassungen am Kampfsystem und eine hohe Recycling-Quote bei den Spielgebieten dominieren das Bild. Man kriegt tatsächlich das Gefühl, hier weniger einen echten Nachfolger zu spielen. Stattdessen fühlt sich »Trails of Cold Steel II« oft nur wie die zweite Hälfte des Erstlings an. Hier kann es durchaus Müdigkeitserscheinungen geben, insbesondere wenn man bedenkt, wie lange die Spielzeit ist.

Es wäre dem verziehen, der »Trails of Cold Steel II« sieht und an einen frühen PS3-Titel denkt. Denn obwohl das Spiel erstmals 2014 in Japan erschienen ist, bleibt die Grafik weit hinter dem heutigen Standard zurück. Selbst mit Einschränkung auf das Genre wird selten mehr als Durchschnitt geboten. Charaktermodelle sind zwar ausreichend detailliert, doch gerade bei den Gesichtern fehlt es deutlich an Mimik. Münder sind zum Beispiel immer gleich animiert während eines Gesprächs. Und auch wenn es in den Kampf geht dominieren Hölzern wirkende Bewegungen und eher spärlich eingesetzte Effekte das Gesamtbild. Nur besonders aufwändige Spezialangriffe zünden das ein oder andere optische Feuerwerk.

tocs5Zu den grafischen Mängeln kommen außerdem noch technische Schwächen hinzu. In einigen der größeren Arealen des Spiels bricht die Bildwiederholungsrate regelmäßig ein. Außerdem sind auf der PlayStation Vita die Ladezeiten eine absolute Qual. Im Normalfall dauert der Wechsel zum separaten Kampfbildschirm schon um die fünf Sekunden, aber manchmal hängt das Spiel regelrecht, so dass es auch 15 – 20 Sekunden werden können. Da Trails of Cold Steel II sehr kampflastig ist, summiert sich das schnell auf.

Wer außerdem des Englischen nicht mächtig ist, wird hier klar abgehängt. Deutsche Bildschirmtexte fehlen vollkommen und das Niveau der verwendeten Sprache ist ziemlich hoch. Puristen dürften sich außerdem daran stören, dass das Spiel nur in Englisch synchronisiert ist und keine japanische Sprachausgabe mitgeliefert wird.

Fazit

In einer Zeit, in der der Echtzeit-Kampf langsam aber sicher anfängt, das JRPG-Genre zu dominieren, ist »Trails of Cold Steel II« ein Lichtblick für Fans des rundenbasierten Spielsystems. Dank einer großen Anzahl an Charakteren, die nur so vor Persönlichkeit strotzen und einer komplexen Geschichte, die ihnen genug Handlungsspielraum gibt, wird man über die gesamte Spielzeit sehr gut unterhalten. Gerade die unzähligen, narrativen Wendungen halten von Kapitel zu Kapitel bei der Stange.

Auch das Kampfsystem überzeugt, insbesondere bei den packenden Kämpfen gegen Bossgegner. Insgesamt ist das Spieldesign aber sehr konservativ und verzichtet auf große Neuerungen. Dadurch wirkt es weniger wie ein echter Nachfolger und mehr wie die zweite Hälfte des Erstlings. Dazu passt auch der angestaubte, technische Eindruck mit schwachen Animationen und Problemen bei der Framerate. Der dritte Teil, der auf der PlayStation 4 erscheinen soll, bietet hoffentlich etwas zeitgemäßere Technik.

Trails of Cold Steel II

Trails of Cold Steel II
9,3

Story

10.0 /10

Steuerung

9.0 /10

Grafik/Design

8.5 /10

Soundtrack

9.5 /10

Preis/Leistung

9.5 /10

POSITIV

  • Packende Story
  • Lebendige Spielwelt
  • Fantastischer Soundtrack
  • Viele und gute Nebenmissionen
  • Persönlichkeitsstarke Charaktere

NEGATIV

  • Gelegentliche Slowdowns
  • Vorgängerkenntnisse dringend erforderlich
  • Wenig Neuerungen im Vergleich zum Vorgäänger

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