A Silent Voice | Deluxe-Edition Blu-ray

Achtung: Die Aussagen in dieser Rezension reflektieren lediglich die persönliche Meinung des Autors und nicht die von Anime2You und seiner Partner.

Das Animationsstudio Kyoto Animation (bekannt für ihre Werke wie z. B. »Free!«, »Love, Chunibyo & Other Delusions!« und »Violet Evergarden«) veröffentlichte 2016 den Anime-Film »A Silent Voice«. In Deutschland wurde der Film von KAZÉ lizenziert und am 16. März 2018 in einer Standard- sowie Deluxe-Edition auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Seine Premiere feierte »A Silent Voice« hierzulande bereits am 26. September 2017 in einigen deutschen und österreichischen Kinos. Wir durften uns für euch die Deluxe-Edition vom Film auf Blu-ray ansehen. Ob uns die dramatische Geschichte um den Mobber Shoya Ishida und der gehörlosen Shoko Nishimiya überzeugen konnte, erfahrt ihr in unserer Review.

Jahr: Japan, 2017
Genre: Drama, Romance
Publisher: KAZÉ
Laufzeit: ca. 130 Minuten
FSK: 06
Ton: DTS HD MA 5.1
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch

ganz leise und doch ganz gross!

In der Grundschule ist Shoya Ishida ein ausgelassener Junge, der gemeinsam mit seinen Freunden das Leben genießt. Als die gehörlose Shoko Nishimiya neu in seine Klasse kommt, findet er schnell Gefallen daran, das schüchterne Mädchen zu mobben. Schließlich treibt er Shoko sogar so weit, die Schule zu verlassen. Womit Shoya nicht gerechnet hat: Nun stellt sich die ganze Klasse gegen ihn und beginnt ihn auszugrenzen. Auch seine Mutter muss unter den Geschehnissen leiden und sämtliche Kosten für die von ihrem Sohn zerstörten Hörgeräte tragen. Einige Jahre später, noch immer von Schuldgefühlen geplagt, macht sich Shoya auf die Suche nach seinem damaligen Opfer. Doch wird die erneute Begegnung der beiden die verwundeten Seelen tatsächlich heilen können?

Meiner Meinung nach hat KAZÉ mit »A Silent Voice« einen ausgezeichneten Anime-Film vom Studio Kyoto Animation veröffentlicht, in dem die sehr sensiblen Themen Mobbing, Behinderung, Selbstmordgedanken und innerer Hass auf eine feinfühlige Art und Weise den Zuschauern präsentiert werden.

Die Anime-Adaption von »A Silent Voice« basiert auf die gleichnamige Manga-Reihe von Yoshitoki Ooima. Die Reihe umfasst insgesamt sieben Bände und erschien von August 2013 bis November 2014 beim japanischen Verlag Kodansha. Hierzulande sicherte sich der Egmont-Verlag die Rechte an der Manga-Reihe und hat bereits alle Bände veröffentlicht.

In Japan feierte der Anime-Film seine Premiere in der Sommer-Season 2016 am 17. September. »A Silent Voice« zählt neben »Your Name.« zu einem der erfolgreichsten japanischen Animationsfilme des Jahres 2016. Selbst Makoto Shinkai hat den Film als »fantastisches Werk« gelobt.

deutsche umsetzung

Für die deutsche Umsetzung von »A Silent Voice« beauftragte KAZÉ die Kaarster G&G Studios (»Food Wars!«, »My Hero Academia«). Birte Baumgardt (Regie: »Yo-Kai Watch«, Buch: »Fate/Grand Order: First Order«) verfasste das Dialogbuch zum Film und führte ebenfalls die Dialogregie. In den Hauptrollen waren Nicolás Artajo (Yashiro Isana, K-Project) als Shouya Ishida und Jill Schulz (Sonoko Suzuki, Detektiv Conan Filme) als Shouko Nishimiya zu hören. Den kompletten Sprechercast könnt ihr euch hier ansehen.

In den Genuss der deutschen Umsetzung kam ich bereits im Kino am 26. September 2017, als ich mir die Anime-Adaption von »A Silent Voice« das erste Mal angesehen hatte. Vor meinem Kinobesuch las ich die komplette Manga-Reihe und war richtig fasziniert von Yoshitoki Ooimas Werk. Meine Meinung zur deutschen Umsetzung hat sich nach dem zweiten anschauen des Filmes nicht wirklich geändert. Birte Baumgardt hat hier wahrlich eine fantastische Arbeit geliefert und sämtliche Rollen aus meiner Sicht passend besetzt.

Dem deutschen Synchronschauspieler Nicolás Artajo gelang es den Charakter Shouya Ishida auf perfekte Weise zu schauspielern. Die Emotionen wurden bestens rübergebracht und die schüchterne Art und die Unsicherheit konnte man sehr gut in der Stimme raushören. Der gehörlosen Shouko Nishimiya lieh die deutsche Synchronschauspielern Jill Schulz ihre Stimme. Genau wie ihrem Kollegen gelang es ihr, die Emotionen und alles weitere perfekt rüberzubringen.

Sobald Shouko Nishimiya im Film sprach, wurden ihre Worte weitestgehend von KAZÉ direkt untertitelt. Damit konnte man, falls man sie nicht richtig verstand, direkt nachlesen, was sie in dem Moment sagen wollte oder gesagt hat. Ihr könnt euch »A Silent Voice« in deutscher Synchronisation oder aber auch in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln ansehen. KAZÉ hat dem Film sogar Untertitel für Hörgeschädigte spendiert. Die Untertitel hier sind weiß gefüllt und schwarz umrandet.

bild und animation

Die Anime-Adaption von »A Silent Voice« (OT »Koe no Katachi«) basiert auf die gleichnamige Manga-Reihe von Yoshitoki Ooima. Animiert wurde die Serie beim Studio Kyoto Animation (»Free!«, »Love, Chunibyo & Other Delusions!«, »Violet Evergarden«) unter der Regie von Naoko Yamada (»K-ON!«). Das Charakterdesign kam von Futoshi Nishiya (»Free!«), der sich nach dem Konzept von Mangaka Yoshitoki Ooima richtete.

Bei KAZÉ erscheint der Film auf Blu-ray im Format 16:9 mit einer Auflösung von 1920 x 1080. Wie nichts anderes von Kyoto Animation gewohnt, lieferte das japanische Animationsstudio auch bei der Anime-Adaption von »A Silent Voice« eine fabelhafte Arbeit bei der Umsetzung. Die Farben sind schön kräftig und überzeugen mit einer kräftigen Farbstärke. Die Hintergründe waren sehr detailliert und wunderschön animiert. Wer letztens »Violet Evergarden« im Simulcast bei Netflix verfolgt hat, weiß was er bei »A Silent Voice« erwarten darf.

Bei dem Charakterdesign hat man sich an das Original beim Manga gehalten. Im Großen und Ganzen wurden sämtliche Bewegungen sehr gut animiert. Was bei Kyoto Animation leider hin und wieder vorkommt, sind das die Charaktere gerne mal etwas unsauber dargestellt werden. Einige Schauplätze aus dem Film existieren auch in der Wirklichkeit in Japan. Auf der Disc gibt es dazu das Bonus »Filmlocations«. Dort werden die Orte aus dem Film gezeigt.

soundtrack

Kensuke Ushio (»DEVILMAN crybaby«) komponierte gemeinsam mit Pony Canyon den Soundtrack zum Film und war letztendlich dafür verantwortlich. Die meisten Szenen wurden vortrefflich untermalt und haben genau für die richtige Atmosphäre gesorgt. In den meisten Szenen verwendete Kensuke Ushio eine musikalische Untermalung durch Klaviertöne, die für eine richtig erdrückende Atmosphäre gesorgt haben. Leider gab es auch Szenen, die nicht ganz so passend untermalt wurden.

Sehr überrascht hat mich die Musikwahl beim Vorspann des Filmes. Hier wählte man den Song »My Generation« von der britischen Rockband »The Who«. In Anime-Serien beziehungsweise -Filmen hört man solche Songs eher selten. Daher war ich sehr positiv von der Wahl überrascht, da diese auch sehr gut gepasst hat. Den Song könnt ihr euch direkt in dem Video anhören.

Beim Abspann des Filmes hören wir den Song »Koi wo Shita no wa«. Gesungen wird dieser von der japanischen Pop-Sängerin und Songwriterin »aiko«. Den Song selbst könnt ihr euch auch direkt in dem unteren Video anhören.

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verpackung und extras

»A Silent Voice« wurde von KAZÉ in einer Standard- sowie in einer Deluxe-Edition auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Die Standard-Editionen sind in einer einfachen Amaray erschienen, während die Deluxe-Editionen im Digipak mit Schuber veröffentlicht wurden. Als Extra bieten beide Versionen Interviews mit Naoko Yamada (Regie), Futoshi Nishiya (Charakterdesign), Mutsuo Shinohara (Art Director), Kensuke Ushio (Musik), Filmlocations und zwei Musikvideos. Bei der Deluxe-Edition gibt es zusätzlich noch drei Artboards und ein Poster. Der FSK-Hinweis befindet sich bei der Deluxe-Edition direkt auf der Folie und nicht auf dem Schuber. Beim Digipak selbst wurde der FSK-Hinweis jedoch aufgedruckt. Sehr schade anzusehen ist, dass KAZÉ den blauen Blu-ray-Balken auf den Schuber aufgedruckt hat.

fazit

Mit »A Silent Voice« hat KAZÉ meiner Meinung nach einen ausgezeichneten Anime-Film vom Studio Kyoto Animation veröffentlicht, in dem die sehr sensiblen Themen Mobbing, Behinderung, Selbstmordgedanken und innerer Hass auf eine feinfühlige Art und Weise den Zuschauern präsentiert werden. Die Geschichte erzählt von einem Mobber und seinem Opfer, wie sie sich kennenlernten, wie es zum Mobbing kam und was das Schicksal für beide bereithält.

Bereits der erste Band der Manga-Reihe von »A Silent Voice« zog mich sofort in seinen Bann. Nachdem ich mir die komplette Reihe durchgelesen hatte, konnte ich es kaum erwarten den Film zu der Reihe zu sehen. Im Großen und Ganzen wurde »A Silent Voice« sehr gut umgesetzt. Mit Kyoto Animation hat man sich definitiv für das richtige Animationsstudio entschieden und der Vorlage eine würdige Adaption spendiert. Im Bereich der Bilder und Animationen punktet »A Silent Voice« sehr hoch.

Die Handlung selbst kannte ich bereits aus dem Manga und war sehr gespannt darauf, wie das Ganze nun adaptiert wird. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich den Manga selbst etwas besser finde. Im Film, der bereits eine Laufzeit von ca. 130 Minuten vorzuweisen hat, wurden einige Szenen aus dem Manga ausgelassen. Dort wurde das Mobbing gegenüber Shouya, dem ehemaligen Mobber, ausführlicher dargestellt. Im Manga selbst gab es zudem noch ein Filmprojekt, weshalb Shouya die gesamte Truppe versammelte, doch wurde dieses Thema im Film weggelassen. Aus meiner Sicht besitzt der Film seinen eigenen Charme und kann sich nichtsdestotrotz definitiv sehen lassen. Wer jedoch den Manga gelesen hat, dem werden diese Änderungen auffallen. Leider besitzt auch der Film von »A Silent Voice« ein eher abruptes Ende – wie es im Manga schon der Fall war.

Besonders spannend ist bei »A Silent Voice« die Entwicklung der einzelnen Charaktere – insbesondere die Entwicklung vom Mobber Shouya. Während Shouya zu seiner Grundschulzeit noch ein lebhafter Mensch war und viele Freunde besaß, änderte sich dies schlagartig, als er vom Mobber zum Opfer wurde. Er verlor auf einen Schlag seine Freunde, wurde ausgegrenzt und nun selbst von ihnen gemobbt. Auch in der Mittelschule änderte sich nichts an seiner Situation, weshalb er begann sich von seinen Mitmenschen zu distanzieren und zum Einzelgänger wurde.

Im Film wird dabei seine Denkart sehr deutlich dargestellt. So fragt er seinen neuen Freund, wie man denn Freundschaft definiert und was einen dazu qualifiziert. Vom lebhaften Menschen entwickelte sich Shouya zu einem schüchternen und sehr zurückhaltenden Menschen, der seinen Mitmenschen nicht mehr direkt ins Gesicht sehen konnte und sein Blick daher immer Richtung Boden ging. Seit dem Vorfall in der Grundschule wuchs zudem sein Selbsthass, weshalb er auch mit Selbstmordgedanken spielte und sogar einmal kurz davor war sich das Leben zu nehmen.

Sehr gut dargestellt wurden zudem die Beziehungen zwischen Shouya und seinen Mitmenschen. Er nahm seine Umgebung nicht richtig wahr und versuchte allen aus dem Weg zu gehen. Personen, mit denen er keine Beziehungen pflegte, wurden mit einem »X« im Gesicht dargestellt. Sobald diese nun ein Band mit ihm knüpften, verschwand das »X« aus ihren Gesichtern, doch konnten diese auch schnell wieder dazukommen. So etwas habe ich bisher nur im Manga sowie in der Adaption von »A Silent Voice« gesehen. Diese Idee seitens der Mangaka finde ich sehr erfrischend und der Gedanke dahinter ist sehr gut.

Aufgrund seiner Thematik und der absolut gelungenen Adaption kann ich »A Silent Voice« nur allen wärmstens weiterempfehlen. Hier erwartet euch keine 08/15-Kost, sondern ein sehr emotionaler und tiefgründiger Film. Neben »Your Name.« gilt ebenfalls »A Silent Voice« zu einem der erfolgreichsten japanischen Animationsfilme des Jahres 2016. Selbst Makoto Shinkai, der mit »Your Name.« einen großen Erfolg verzeichnete, hat die Anime-Adaption von »A Silent Voice« als »fantastisches Werk« gelobt.

©Yoshitoki Oima, KODANSHA/A SILENT VOICE The Movie Production Committee. All Rights Reserved.
© 2018 VIZ Media Switzerland SA

A Silent Voice

29,95 €
A Silent Voice
8,8

Handlung

8.5 /10

Konzept

9.0 /10

Deutsche Umsetzung

9.0 /10

Bild und Animationen

9.0 /10

Soundtrack

9.5 /10

Verpackung und Extras

8.0 /10

POSITIV

  • Extras
  • Handlung
  • Soundtrack
  • Bild und Animation
  • Deutsche Umsetzung

NEGATIV

  • Abruptes Ende