»Tokyo Ghoul«-Regisseur Shuhei Morita im Interview (AnimagiC 2015)

shuhei-morita

Wie wir bereits angekündigt haben, hatten wir auf der AnimagiC die Chance Shuhei Morita, den Regisseur von Tokyo Ghoul, zu interviewen. Dazu haben wir eure fragen gesammelt und sie ihm gestellt.

Bei dem Interview war auch Herr Hotta, seines Zeichens Produzent von Tokyo Ghoul, anwesend, der zum Ende des Interviews auch ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

Wir bedanken uns nochmal bei KAZÉ für diese tolle Chance!

Anime2You: Hallo Herr Morita. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen unsere Fragen zu beantworten. Unsere Leser sind sehr interessiert an Tokyo Ghoul und auch wir sind große Fans der Serie und des Mangas, weshalb wir sehr glücklich über diese Chance sind.

© Sui Ishida/Shueisha, Tokyo Ghoul Production Committee © 2015 VIZ MEDIA Switzerland SA
© Sui Ishida/Shueisha, Tokyo Ghoul Production Committee

Anime2You: Haben Sie als Regisseur der Serie mit dem großen Erfolg von Tokyo Ghoul außerhalb Japans gerechnet?

Herr Morita: Natürlich wollten wir einen erfolgreichen Anime produzieren, allerdings ganz unabhängig davon, wie er in anderen Ländern laufen könnte. In Japan wurde der Anime dann ein Hit. Dass der Anime auch in Deutschland so beliebt wurde, hat mich sehr positiv überrascht.

Anime2You: Haben Sie den Manga von Tokyo Ghoul gelesen? Was waren Ihre Gedanken zu den Unterschieden zwischen der zweiten Staffel der Serie und dem Manga?

Herr Morita: Ja ich habe den Manga natürlich gelesen. Zu der zweiten Staffel muss ich weiter ausholen. In Japan gab es zwischen den beiden Staffeln eine dreimonatige Pause. Diese drei Monate führen dazu, dass die Zuschauer den Anschluss verlieren und auch einiges vergessen. Deswegen wäre es keine kluge Entscheidung gewesen, einfach dort anzufangen, wo die erste Staffel aufhörte, weswegen wir uns eine andere Herangehensweise überlegt haben. Um die Aufmerksamkeit des Publikums wiederzugewinnen, haben wir uns mit Ishida-sensei abgesprochen, und so kam es dann zu der Entscheidung, in der zweiten Staffel eine Original-Story zu verwenden.

Anime2You: Wie groß war der Einfluss von Ishida-sensei auf den Anime?

Herr Morita: Ishida-sensei hat das grobes Storyboard für die zweite Staffel angefertigt. Er hatte natürlich großen Einfluss auf beide Staffeln. Er hat viele Vorschläge gemacht und Beziehungen von Charakteren erklärt, welche im Manga noch nicht aufgetaucht sind. Das floss alles in den Anime ein. Ishida-Sensei fertigte ein 200-300 Seiten langes grobes Storyboard an, welches als Grundlage für die Anime-Produktion verwendet wurde.

Anime2You: Viele unserer Leser haben uns gefragt, welcher ihr Lieblingscharakter aus Tokyo Ghoul ist.

Herr Morita: Ich habe keinen Lieblingscharakter. Als Regisseur verstehe ich meine Aufgabe darin mit allen Charakteren mitzufühlen, also würde ein Lieblingscharakter mich daran hindern alle Charaktere in einem fairen Licht darzustellen. Ich achte auf jeden Charakter und ihre verschiedenen Eigenschaften und Macken.

© Sui Ishida/Shueisha, Tokyo Ghoul Production Committee
© Sui Ishida/Shueisha, Tokyo Ghoul Production Committee

Anime2You: Was war für Sie das Schwierigste bei Ihrer Arbeit an Tokyo Ghoul?

Herr Morita: Am schwierigsten war definitiv die Darstellung der Gefühle. Sie sind sehr vielschichtig und komplex, wie zum Beispiel bei Toka oder Kaneki. Sie sind wütend, aber auch traurig, und es war schwierig, dies in Bild und Sprache wiederzugeben. Die Synchronsprecher mussten die Emotionen der Charaktere bestmöglich einfangen.

Anime2You: Das Ende der zweiten Staffel von Tokyo Ghoul ließ viele Fragen offen. Viele Fans hoffen nun auf eine Animation des Sequels Tokyo Ghoul: re. Würden Sie es begrüßen, auch bei einer möglichen dritten Staffel des Animes Regie zu führen?

Herr Morita: Zu einer dritten Staffel können wir momentan nichts sagen, denn ob eine kommt, ist bislang nicht klar. Beim Ende der zweiten Staffel wollten wir kein typisches Ende. Dort kommt kein Held der alle rettet, sondern es sollte offen sein und das Leben von Kaneki und die Situation, in der er sich befindet, zeigen. Das Ende sollte die Zuschauer zum Nachdenken anregen.

Anime2You: Was halten Sie von den Zensuren, die für die Ausstrahlung im japanischen Fernsehen nötig waren?

Herr Morita: Im Fernsehen kann nun mal nicht alles gezeigt werden, und das respektiere ich auch, aber ich habe auch kein Problem mit einigen dieser grafischen Elemente. In Tokyo Ghoul geht es auch nicht primär und die Gewalt und Splatter, sondern um die Emotionen, aber solange dieser Aspekt nicht vernachlässigt wird, ist Gewalt kein Problem.

Anime2You: Haben Sie sonst noch etwas, dass sie den deutschen Fans von Tokyo Ghoul mitteilen möchten?

Herr Morita: Ich bin sehr positiv überrascht und freue mich über die vielen deutschen Fans. Es freut mich auch, dass Tokyo Ghoul auf DVD und Blu-ray erscheint und bald im Fernsehen zu sehen ist. Ich wünsche allen deutschen Fans weiterhin sehr viel Spaß mit der Serie.

© SHORT PEACE COMMITTEE © KATSUHIRO OTOMO/MASH・ROOM/SHORT PEACE COMMITTEE.
© SHORT PEACE COMMITTEE © KATSUHIRO OTOMO/MASH・ROOM/SHORT PEACE COMMITTEE.

Anime2You: Da einige Fans ebenfalls ihr Werk Tsukumo kennen, weil Short Peace auch in Europa veröffentlicht wurde, lassen Sie uns etwas darüber sprechen. Mir persönlich hat die Vermischung von einer Geistergeschichte mit Comedy-Elementen sehr gut gefallen. Können Sie einige ihrer Gedanken zu Tsukumo mit uns teilen?

Herr Morita: Natürlich. Wir haben Tsukumo nicht gemacht, um Erfolg zu haben, sondern wegen der puren Lust auf einen solchen Kurzfilm. Er erzählt von Japan vor langer Zeit, also eine alte Geschichte aus Japan, was mir schon immer sehr gut gefallen hat. Die Charaktere sind einfach gestrickt, aber trotzdem lustig, und ihre Welt ist einzigartig. Es war eine tolle Gelegenheit, und ich hatte sehr viel Spaß.

Anime2You: In unserer Vorbereitung auf das Interview haben wir gelesen, dass sie Tsukumo in nur fünf Monaten fertiggestellt haben. War es schwer rechtzeitig fertig zu werden?

Herr Morita: Bei Tokyo Ghoul hatten wir einen noch viel engeren Zeitplan, weswegen Tsukumo rückblickend sehr viel angenehmer war.

Anime2You: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie von der Academy-Award-Nominierung von Tsukumo erfahren haben?

Herr Morita: Natürlich war ich froh über die Nominierung, doch ich hatte keinen wirklichen Bezug dazu. Ich wurde irgendwie mitgerissen. Es ist komisch und schwierig zu beschreiben, mit einem Werk soviel Erfolg zu haben, aber sich nicht wirklich damit in Beziehung bringen zu können.

© SHIROBAKO Production Committee
© SHIROBAKO Production Committee

Anime2You: Zuletzt lief in Japan der Anime Shirobako, wo Zuschauer einen kleinen Einblick in den Alltag von den Studios bekommen haben. Dort war es oft so, dass die fertigen Episoden nur kurz vor Ausstrahlung den Sender erreicht haben. Ist dies bei Ihnen auch so gewesen?

Herr Morita: In Wirklichkeit ist es oft sogar noch wesentlich knapper. Das ist nicht gut, aber so ist es nun mal. Die Creators wollen natürlich ihren Senf dazu geben und die Produzenten müssen dann allen in den Hintern treten, damit wir noch rechtzeitig fertig werden. Es ist wie ein Spiel und geht immer hin und her. Bei Tokyo Ghoul war kaum Zeit für Vorbereitung, aber wir hatten einen guten Teamzusammenhalt. Wir haben vieles versucht und neue Herausforderungen gemeistert, obwohl wir kaum Zeit hatten. So hat beispielsweise in der letzten Episode der ersten Staffel unser Komponist mit dem Piano improvisiert, während er sich das Material angesehen hat und alles in einem Take aufgenommen. Die Musik so aufzunehmen ist sehr ungewöhnlich, doch wir wollten die Intensität und Spannung die durch die Improvisation enstanden sind übernehmen. Dadurch wurde das Ergebnis zu genau dem, was wir gesucht haben. Wir haben diese Art von neuen und unkonventionellen Wegen trotz des engen Zeitplans genommen und ich bin froh das wir es getan haben.

Herr Hotta: Bei uns gibt es allerdings nicht so viele süße Mädchen wie bei Shirobako im Studio. Der Großteil sind Männer, und alle arbeiten so hart, dass das ganze Studio nach Schweiß stinkt. Wer nicht genug schwitzt, ist der Buhmann, weil er nicht hart genug gearbeitet hat. Das nennt man wohl Drama am Arbeitsplatz. Es kommt sogar vor, dass Personen einen ganzen Monat im Studio verbringen müssen. In Shirobako geht es also noch ziemlich vorbildlich zu.

Herr Morita: Das will doch niemand wissen!

(Gelächter)

Anime2You: Vielen Dank für das informative Interview.

Kommentare

13 Kommentare und Antworten zu "»Tokyo Ghoul«-Regisseur Shuhei Morita im Interview (AnimagiC 2015)"

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hYperCubeHD
Gast

Sympatisches Interview mit einem sympatischen Regisseur. Ich lese aktuell den Tokyo Ghoul Manga (nachdem ich den 1sten Cour vom Anime gesehen hatte versteht sich) und bin wirklich überrascht, wie viel eigene Einflüsse die Adaption der Geschichte gegeben hat (so finde ich einige Szenen im Anime deutlich gelungener als in der Vorlage). Zum 2ten Cour kann ich noch nicht so viel sagen, jedoch scheint es ja sogar Ishidas Idee gewesen zu sein, die Geschichte darin stark abzuändern. Ich habe auch iwann mal gelesen, dass diese Wandlung des Fokus von Kanekis Psyche auf dessen Handlungen (da seine Psyche eher mysteriös sein soll) die ursprüngliche Idee von Ishida für die 2te Hälfte des Mangas war, jedoch der Rest seines Teams und der Publisher damit nicht einverstanden war.

Peter der Marvel-Fan
Gast

die shirobako frage ist die beste 😀

Peter der DC Fan
Gast

? Soll das irgendwie ne Parodie sein (Username) ? D:

Vanessa
Gast

Wieso, gibt halt noch mehr Peter’s auf dieser Welt und dieser scheint ein Marvel-Fan zu sein 😉 Oder es ist ’ne nette Parodie auf deinen Usernnamen 🙂

Peter der DC Fan
Gast

Wenn es eine Parodie ist,eher ne schlechte. Davor war ja dieser Blödmann,der mich schlechtreden wollte und sich 2 Parodies ausgesucht hat. Einmal Peter der nicht DC Fan und der andere… was war das nochmal… o.O ? Na ja, hoffen wir mal,dass es nicht wieder dieser Blödmann ist… 🙁

Peter der WC-Fan
Gast

krich dich ma ein hey … is ja nich zum aushaltn deine paranoia

Der Blödmann, von dem du sprichst...
Gast

Ach, du meinst wohl den Peter Pan Fan. Ja, der war ich. 🙂 (war übrigens nur als Scherz gemeint^^) Aber wie es scheint, machst du dir auf dieser Seite keine Freunde.
Kleiner Tipp: Einfach den Usernamen ändern oder diese Seite meiden. Ist wohl das beste für dich. 😉

Mizuki
Gast

Sehr informativ und Herr Hottas Kommentar hat mich sehr zum Schmunzeln gebracht 😉

Marathonmann
Gast

Nice das alles geklappt hat,
Hoffendlich bekommt ihr bald wieder die möglichkeiten auch noch andere zu bekommen!

Und guter job!
liest sich alles super und cool mal so ein einblick zu bekommen.
vorallem der letzte satz xD

rec
Gast

Schade das keine Fragen zu den offensichtlichen Fehlern in der Show kamen, wie z.b. Kaneki gegen den Typen im Gefängnis.

Gute Serie auf Jeden Fall, aber gab paar Schwächen.

Insgesamt gutes Interview, macht weiter so.

subb
Gast

»Am schwierigsten war definitiv die Darstellung der Gefühle. Sie sind sehr vielschichtig und komplex, wie zum Beispiel bei Toka oder Kaneki. Sie sind wütend, aber auch traurig, und es war schwierig, dies in Bild und Sprache wiederzugeben.« – Hat aber super funktioniert ;). Jede Nervenzelle meines Hirns hat mitgelitten, aber sowas von ó.Ò…

»Das Ende der zweiten Staffel von Tokyo Ghoul ließ viele Fragen offen. « XD Jaaaa ACH…. schön erkannt.^^ Allerdings.

»Dort kommt kein Held der alle rettet,…« Ja, nein, Mann, wollt‘ ich auch gar nicht… aber halt wenigstens… einen Hauch von ANTWORTEN oder so o.O… *seufz*

»… sollte die Zuschauer zum Nachdenken anregen.« – Ja nee, is‘ klar. Wohl eher zum DURCHDREHEN!!!!!! DAS hat er jedenfalls geschafft bei mir… xD
Dazu passt dann auch super… »Zu einer dritten Staffel können wir momentan nichts sagen, denn ob eine kommt, ist bislang nicht klar.« Jaaaa DANKE Mann ó.ò!!! Bitte lass‘ es unbedingt an DER Stelle enden, damit ich wenigstens NIE meine Antworten bekomm‘.
(Ich hatte ja immerhin bisher noch den Bruchteil einer Hoffnung, dass die dritte Staffel mein gestörtes mentales TG-Gleichgewicht so halbwegs wieder herstellen könnte, nur dazu müsste es halt vielleicht auch eine dritte Staffel GEBEN O.Ô… jkjkkaöfjgtolkaäkfghjljadgftäsfsöl)

Drama am Arbeitsplatz :’D *totlach*… wobei an meinem Arbeitsplatz echt manchmal ein voll ähnliches Drama herrscht… aber wenigstens hat bei mir bisher noch nie das Deo versagt. Ätsch. Ich hab‘ wenigstens noch gut gerochen dabei. xD

Mana
Gast

Wenn du Antworten willst, dann am besten zum Original – also dem Manga – immer greifen. (Was auch btw die Absicht bei offenen Enden von Anime schon lange ist…aka werbung für die Vorlagen.) Da musst auf nichts warten. 😉

Und so genau an die Vorlage hielt man sich wohl eh nicht….gerade bei der 2ten…Grunddinge werden da aber trotzdem wohl gleich sein.

Hier gabs eigendlich nur 2 Staffeln weil man gleich von Beginn an das geplant hatte…war eher nur wie ein Staffelsplitting zwecks der Pause…

Minu
Gast

Ich wünsche mir eine 3. Staffel und im Internet gehen Gerüchte rum, dass dieses Jahr eine neue Staffel kommen soll. Leider äußerte sich Morita im Interview anders dazu, was mich wirklich enttäuscht. Ich hoffe die machen eine 3. Staffel, wie wahrscheinlich findet ihr das denn?