BBFC-Studie: Mehrheit fordert strengere Anime-Altersprüfungen

Die britische Altersfreigabestelle British Board of Film Classification (BBFC) hält Anime ohne passende Einstufung für potenziell problematisch für Kinder und untermauert diese Einschätzung mit einer aktuellen Studie. Wir fassen zusammen.

Inhalte auf dem Prüfstand

Die Untersuchung basiert auf Befragungen von mehr als 2.000 Personen ab 16 Jahren. Analysiert wurde, wie das britische Publikum auf sexualisierte Anime-Inhalte – etwa Anspielungen, Nacktheit oder missbräuchliches Verhalten – reagiert. Unterschieden wurde dabei zwischen Fans, Nicht-Fans, Jugendliche und Eltern.

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Dabei zeigte sich erwartungsgemäß, dass sich Einschätzungen teils deutlich zwischen Personen unterscheiden, die mit den stilistischen und kulturellen Konventionen von Anime vertraut sind, und jenen ohne entsprechenden Hintergrund.

81 % der Befragten gaben an, dass Szenen mit sexualbezogenen Inhalten in Anime ebenso intensiv wirken wie in Realserien und daher nach den gleichen Maßstäben bewertet werden sollten. Zudem sprachen sich 69 % dafür aus, Darstellungen mit sexualisiertem Charakter in Anime strenger einzustufen als natürliche oder kontextualisierte Darstellungen.

Besonders lange Einstellungen, Nahaufnahmen oder bestimmte Kameraperspektiven, die körperliche Merkmale der Figuren hervorheben, würden Szenen unabhängig vom erzählerischen Kontext eine sexualisierte Wirkung verleihen.

Fanservice als Verschärfungsfaktor

Knapp 80 % der Befragten sehen Fanservice – also sexualisierte Darstellungen ohne erzählerische Notwendigkeit – als Grund für höhere Altersfreigaben.

Besonders kritisch bewertet wurden Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen (86 %) sowie Figuren, die kindlich wirken oder sich kindlich verhalten (82 %), insbesondere in Grenzfällen zwischen zwei Altersstufen.

Gleichzeitig wurden auch mildernde Faktoren genannt: Fast die Hälfte (47 %) ist der Ansicht, dass humorvolle oder klar fantastische Darstellungen die Wirkung sexueller Inhalte abschwächen können. Zwei von fünf Personen (40 %) halten kurze und selten auftretende sexuelle Inhalte unter Umständen für niedriger einstufbar.

Nahezu neun von zehn Befragten (88 %) sehen ein konkretes Kinderschutzrisiko, wenn Anime nicht angemessen und einheitlich altersgeprüft werden. Viele Eltern ohne Anime-Erfahrung gingen andernfalls fälschlich davon aus, dass Anime aufgrund des Zeichentrickstils grundsätzlich kindgerecht seien.

Anime-Prüfungen auf Rekordniveau

90 % der Teilnehmer betrachten Altersfreigaben und Inhaltshinweise der BBFC als unverzichtbare Hilfsmittel für Eltern und Betreuungspersonen.

91 % fordern zudem, dass Altersfreigaben plattformübergreifend einheitlichen Standards folgen sollten – insbesondere mit Blick auf Streaming-Dienste, auf denen BBFC-Einstufungen nicht immer angezeigt werden. Darüber hinaus wünschen sich 84 % erklärende Inhaltshinweise zu anime-typischen Tropes und Begriffen.

Die Veröffentlichung der Studie fällt in eine Phase, in der die BBFC mehr Anime als je zuvor klassifiziert. Im Jahr 2025 machten Anime bislang nahezu ein Viertel (24 %) aller für DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen geprüften Inhalte aus – mehr als doppelt so viel wie noch vor wenigen Jahren. Rund ein Drittel erhielt eine Altersfreigabe ab 15 oder 18, während zwei Drittel im Bereich U bis 12 eingestuft wurden.

Gleichzeitig zeigt die Studie eine hohe Akzeptanz der bisherigen BBFC-Praxis: In neun von zehn Fällen stimmte das Publikum den vergebenen Altersfreigaben zu.

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Via BBFC
© Aka Akasaka, Mengo Yokoyari, Shueisha / Oshi no Ko Production Committee

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Primordus

Das man sexualisierte Themen immer als gravierender einstuft gegenüber der Gewalt, ist immer wieder interessant. Nun jedes Land behandelt das Thema halt anders und wer weiß wieviel Fassungen uns in derZukunft noch erwarten werden,

Staarbreeze

Wenn man bedenkt wie alles schon zensiert wird wenn es im Westen ankommt, frag ich mich, was sie denn so anstößig finden. Man braucht sich doch nur gerade die Rent a Girlfriend zensierung im aktuellen Manga anschauen. Kleiner Spoiler: Es gibt dort eine Szene wo eines der Mädels halbnackt dargestellt. In Japan komplett unzesiert, im westen schwarze Balken. Das trifft auch sicherlich auf Animes zu,

Guts

Können wir mal aufhören vom »Westen« zu reden, ohne klar zu definieren was überhaupt gemeint ist? Der Westen ist gigantisch, mit unzähligen Ländern/Märkten und ebenso vielen (komischen) Wertevorstellungen. Bei deinem Beispiel erkennt keiner, wer, wo, was zensiert haben soll.

Mana

Sollte finde ich schon beides klar bedacht werden, denn beides hat überall zugenommen und ist nunmal keineswegs einfach alles harmlos, egal wo. Und je jünger jemand ist und weniger wer vernüftig mit etwas umgeht (oderkann), desto weniger ist egal welcher Art Medium man hat.

Guts

Hierzulande wird das aber durchaus »ausgeglichen« behandelt, da schaffen es exzessive Gewaltorgien leichter zur Maximalfreigabe als irgendwelche sexualisierten Themen. Meist ist es sogar nur die Kombination der sexualisierten Gewalt, die die Freigabe nach oben schiebt. Sonst ist es eher schwierig, wegen nackter Haut eine sehr hohe Freigabe zu bekommen, da sind andere Länder deutlich strenger bis hin zum Verbot, darunter gehört sogar Japan.

Ich

Nicht uninteressant.

Knapp 80 % der Befragten sehen Fanservice – also sexualisierte Darstellungen ohne erzählerische Notwendigkeit – als Grund für höhere Altersfreigaben.

Eine interessante Verbindung finde ich. Man sagt, es verdiene eine höhere Einstufung weil es keine Notwendigkeit hätte … Ich würde das eher davon abhängig machen, was man denn da konkret zeigt. Nur weil es einen nerven mag, macht es das ja nicht automatisch zu einem Inhalt, den man höher einstufen muss.

Nahezu neun von zehn Befragten (88 %) sehen ein konkretes Kinderschutzrisiko, wenn Anime nicht angemessen und einheitlich altersgeprüft werden.

Hier finde ich den Punkt interessant, das man ein Risiko sieht, wenn nicht nur nicht angemessen, sondern auch nicht einheitlich geprüft wird. Ob da wirklich ein Risiko besteht, kann ich zwar nicht einschätzen, aber einheitliche Vorgaben finde ich nicht falsch. Das Problem dabei ist dann eher auf welche Vorgaben man sich einigt denke ich.

Viele Eltern ohne Anime-Erfahrung gingen andernfalls fälschlich davon aus, dass Anime aufgrund des Zeichentrickstils grundsätzlich kindgerecht seien.

Das ist tatsächlich so ein Punkt, den ich ähnlich sehe. Wenn man mit Anime nicht vertraut ist, kann man aufgrund den Zeichenstils und der Assoziation zu Zeichentrick schnell auf die Idee kommen, dass es ja nichts weiter zu beachten gibt. Das ist natürlich so nicht korrekt. Anime ist da eben nur der Stil und sagt nicht automatisch etwas über den Inhalt aus – und das sollte man allgemein so sehen und nicht nur auf freizügige/sexuelle Inhalte. Es gibt auch mehr als genug Dramen, Tragödien, Horror, Splatter und Gewaltszenen, die für kleine Kinder eben nicht geeignet sind würde ich meinen.

91 % fordern zudem, dass Altersfreigaben plattformübergreifend einheitlichen Standards folgen sollten

Hier wären wir nochmal bei den einheitlichen Vorgaben. Da wäre dann wie gesagt der Punkt inwiefern man da Vorgaben gibt und ob das dann auch auf allen Plattformen auch gleich funktioniert. Ich wäre da der Meinung, dass man da eventuell plattformspezifische Anpassungen bräuchte.

Gleichzeitig zeigt die Studie eine hohe Akzeptanz der bisherigen BBFC-Praxis: In neun von zehn Fällen stimmte das Publikum den vergebenen Altersfreigaben zu.

Der Wert ist auch interessant. Ich habe meine Zweifel, ob man so eine hohe Zustimmung auch hierzulande hat.

Klar, sind solche Befragungen und Untersuchungen immer so eine Sache, aber ich finde das durchaus spannend zu lesen und zu betrachten.

Maurice

Ganz ehrlich, die sollten mal ganz leise sein, ich schaue immer noch das was ich will und wie ich es will, ganz ohne Zensur

Anime-Fanatiker

Immer schön die Bälle flach halten! Es geht hier hauptsächlich um den Schutz von Kindern. 🤦🏻‍♂️

Kansai Drifto 1o1

Dann vielleicht Kindern, dessen Alter sich noch im einstelligen Bereich befindet, kein Geräte jeglicher Art in die Hand geben, womit man ins Internet kommt.

Frag mich ob man sich bei Zeichentrick, das nicht aus dem asiatischen Raum kommt, auch so genau darauf schaut.

Glaube kaum das sowas wie Simpsons, Family Guy, Futurama, South Park Happy Tree Friends, und wie die alle heißen, für Kinder geeignet sind.

Da sind einige Sachen aus dem amerikanischen/europäischen Raum mehr verstörend/traumatisierend für Kinder.

Wem es wirklich um den Schutz von Kindern geht, sollte dann auch selbst dafür sorgen und es nicht allen anderen überlassen.
Wenn man daran denkt das man Kinder schon von früh auf ein Smartphone gibt und sieht und die daran alles mögliche machen, sehe ich die Verantwortung an erster Stelle bei den Eltern.

Wenn die zu faul sind sich mit Sachen auseinander zu setzen, kann man grob in Frage stellen wie ernst es denen um den Schutz von Kindern geht.

Guts

Frag mich ob man sich bei Zeichentrick, das nicht aus dem asiatischen Raum kommt, auch so genau darauf schaut.

Glaube kaum das sowas wie Simpsons, Family Guy, Futurama, South Park Happy Tree Friends, und wie die alle heißen, für Kinder geeignet sind.

Natürlich, zu diesen Serien gibt/gab es doch (von Eltern) ständig Beschwerden, ich glaube Happy Tree Friends ist in manchen Ländern sogar verboten xD

Ich

Es geht dabei aber nicht um Sie, sondern um das allgemeine Zuschauerbild – und da sind nunmal auch kleine Kinder dabei.

KnSNaru

Es wird endgülzig Zeit, dass strikte Maßnahmen ergriffen werden. Besonders der Gewaltanteil ist für die Erziehung keinesfalls förderlich. Die zu nehmend volgäre Sprache wie in dem Mafia-Anime zuletzt ist darunter keine Ausnahme.

Kohsugi

Da bekomme ich Puls, wenn sich wieder nur über Sexualität aufgeregt wird und nicht über Gewalt. Wie hier schon mehrfach angemerkt, haben diese Leute ein realitätsfernes Weltbild. Wenn immer mehr Leute der Ansicht sind, daß Splatter schlimmster Art kaum gekennzeichnet Kindern offeriert wird, aber Erotik als schädlich dargestellt wird, stirbt die Menschheit im nächsten großen Krieg aus.
Altersfreigaben sollten mit gesundem Menschenverstand vergeben werden. Und vielleicht sollten jene Leute eher darüber nachdenken, was Kinder durch ganz einfache Suchbegriffe auf dem Smartphone ansehen können.

Marine

Mit Alterseinstufungen hab ich an sich kein Problem nur leider führen diese auch oft dazu dass Werke zensiert werden um die gewünschte Altersfreigabe zu erhalten und das kann im schlimmsten Fall schon in Japan bei der Produktion passieren. Diese Bevormundung seitens Behörden ist mir schon immer ein Dorn im Auge gewesen, egal um welches Unterhaltungsmedium es geht.

derderimmerrechthat

Also wollen die das was Anime aussmacht streichen. Gut lassen wir anime ganz weg. Und streichen diese aus dem westlichen ganz. Dann dürften alle happy sein. Wunderbar !!!!!!!!!!!

Kansai Drifto 1o1

Und westliche Zeichentrick, die verstörend sein können, schön weiter den Kindern zeigen.

Ich

Das ist doch gar nicht die Aussage von dem hier.

Shinigami

Falsch, Fan Service, extreme Gewalt und Sexualisierung macht Anime eben nicht aus. Es gibt nämlich Tausende verschiedene Anime, mit Hunderten verschiedenen Darstellungen und Zeichenstiele. Wenn du meinst das Gewalt und Sexualisierung Anime ausmacht, hast du kaum Anime gesehen.

Und nochmal zur Verständnis, in Japan wird alles als Anime bezeichnet, auch Disney, es gibt keine Koset was Anime definiert. Das einzige was man sagen könnte wären die Großen Augen, aber selbst die gibt es nicht in jeden Anime.

10Minutes

Viele Eltern ohne Anime-Erfahrung gingen andernfalls fälschlich davon aus, dass Anime aufgrund des Zeichentrickstils grundsätzlich kindgerecht seien.

Gab in der Vergangenheit einiges was mich teils verstört und traumatisiert hat.
Blöd nur das es sich dabei nicht um Anime handelte, sondern Zeichentrick die aus Amerika und Europa kamen. 😜

91 % fordern zudem, dass Altersfreigaben plattformübergreifend einheitlichen Standards folgen sollten – insbesondere mit Blick auf Streaming-Dienste, auf denen BBFC-Einstufungen nicht immer angezeigt werden. Darüber hinaus wünschen sich 84 % erklärende Inhaltshinweise zu anime-typischen Tropes und Begriffen.

Wird bestimmt Prima funktionieren. 😜
Sieht man ja bei Videospielen ja auch, mit dem GROSSEN USK-Logo und auf der Rückseite auch nochmal mit Hinweisen, wie Gewalt, oder Drogen, oder sexuellen Inhalt.
Zwar nur in Form von Bild wie Fäuste (Gewalt) oder einer Spritze (Drogen), aber das sollte doch genügen, oder? 🤔

Oder sollte man denen Hinweise geben, die 3-5 Sätze, mindestens, lang sind und jedes klitzekleine Detail beschreiben? 🤔

Guts

Beim einheitlichen Standard ist aber tatsächlich was dran, denn Streamingdienste nutzen oft ein anderes auf Selbsteinschätzung basierendes Freigabesystem und nutzen nicht unbedingt das »offizielle« von z.B. DVDs.

Deine Hinweise gibt es bereits, auch in Großbritannien, auf deren Webseite ist das sogar teils sehr(!) ausführlich dargestellt (so etwas hätte ich auf der dt. FSK-Seite auch gerne), scheinen dort die »besorgten« Eltern nur noch nicht mitbekommen zu haben: bbfc.co.uk

10Minutes

Deine Hinweise gibt es bereits, auch in Großbritannien, auf deren Webseite ist das sogar teils sehr(!) ausführlich dargestellt (so etwas hätte ich auf der dt. FSK-Seite auch gerne), scheinen dort die »besorgten« Eltern nur noch nicht mitbekommen zu haben: bbfc.co.uk

Erstmal danke für den Link. 👍

Frage mich ob die diese Hinweise auch der Bevölkerung mitgeteilt haben, das die auf deren Seite zu finden sind?

Wenn ja, dann sollten die »besorgten« Eltern besser ganz still sein, können sich informieren aber machen es nicht. 🤦‍♂️🤦‍♀️

Wenn nein, sollten die es besser altmodisch machen und Flyer verteilen, da das Internet nicht nur für Deutschland, sondern auch für Großbritannien, scheinbar »Ja, das Internet, ist für uns alle noch Neuland!« ist. 🤦‍♂️🤦‍♀️

Wobei wenn man wirklich so besorgt um die Kinder ist, dürfte man die gar nicht mehr aus dem Haus lassen, kein Internet, kein TV, keine Konflikte in der Familie und Nachbarschaft haben.

Man das wäre dann eine neue Dimension von Helikoptereltern.

Kohsugi

Meiner Ansicht nach ist es nicht machbar, seine Kinder zu kontrollieren. Der Weg meiner Frau und mir war, unserer Tochter alle Fragen zu beantworten. Natürlich ihrem Alter entsprechend. Aber wir haben nie gesagt, »das verstehst Du noch nicht«.
Kinder werden nur selbständig, wenn man ihnen Vertrauen und Unterstützung gibt. Je besser sie selbst urteilen lernen, desto mehr kann man sie auch allein entscheiden lassen.

Kohsugi

Made in Abyss und dieses grausige Ding mit 6 Folgen, wo ein kleines Mädchen zu Tode gemobbt wird, würden jüngere Kinder sehr verängstigten. Eltern sollten im Dialog mit ihren Kindern bleiben und ihnen erklären, was sie nicht verstehen. Hat mit meiner Tochter gut geklappt.
Und zu der Inhaltsbeschreibung – seit einiger Zeit wird ja am Anfang jedes Anime eine »Warnung« eingeblendet. Wenn dann z. B. bei Detektiv Conan »Tabakkonsum, Gewalt« eingeblendet wird, wirkt das auf mich eher albern und irreführend. Was müsste man dann bei der Tagesschau drüber schreiben ?

Zhao

Bestes Deutsches Beispiel:

Made in Abyss, Seelen der Finsternis.

Der ist ab 12.

Mein Kommentar:
Ich glaube, die in Behörd haben das Cover gesehen und gesagt ab 12.

Ansonsten müssen die im nicht arbeitsfähigen Zustand gewesen sein.

Wer dem Film gesehen hat, wird eher über eine Indizierung nachdenken qls an eine Altersfreigabe ab 12.

Spoiler:

Was den Hauptcharakter passiert ist schon heftig, aber mit puschka?

Für mich ein extremes Versagen, der Behörde.

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