Nach Produktionsproblemen: »Märchen Mädchen«-Anime endet vorzeitig

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Die zehnte Episode der Anime-Serie »Märchen Mädchen«, die in dieser Woche erscheint, wird auch gleichzeitig die letzte Episode sein, die im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Ursprünglich wurde der Anime zwar mit zwölf Episoden angekündigt, aber das vorzeitige Ende ist vielleicht nicht ganz so überraschend, wenn man sich die Situation um den Anime anschaut. Die Produktion litt nämlich schon seit einiger Zeit unter großen Problemen.

Animateure, die an »Märchen Mädchen« mitgearbeitet haben, haben sich bereits öffentlich über gewisse Probleme beschwert, wie zum Beispiel, dass die Namen der Mitarbeiter nicht korrekt in den Credits genannt wurden. Zudem ist den Fans aufgefallen, dass die Qualität der Animation stark schwankte, was schließlich auch vom Produktionsteam zum Anlass genommen wurde, um dem Anime eine mehrwöchige Pause zu gönnen. Doch auch die erste Episode nach der Pause litt unter Qualitätsproblemen, was darauf hindeutete, dass das Team die Situation nicht in den Griff bekommen hat.

Nun hat der Insider-Blog Sakugabooru in einem ausführlichen Blogpost aufgezeigt, dass dies wohl vor allem mit Problemen hinter den Kulissen zu tun hat. Dies berichtete die Seite mit Verweis auf Quellen, die direkt an der Produktion des Animes beteiligt waren.

Dabei soll wohl schon im Herbst letzten Jahres klar gewesen sein, dass die Ausstrahlung des Animes zu Problemen führen würde. Deswegen brachte einer der Produktionsassistenten den Vorschlag ein, dass man einige Teile der Produktion an andere Unternehmen abgibt. Allerdings wurde dieser Vorschlag vom CEO von Hoods Entertainment, dem Studio hinter »Märchen Mädchen«, aus finanziellen Gründen vorerst abgelehnt. Als dieser gegen Ende Januar dem Plan schließlich doch zustimmte, war der Zeitplan so knapp, dass kein externes Studio an der Produktion mitwirken wollte.

Generell soll Hoods Entertainment selbst für Anime-Verhältnisse eine sehr niedrige Bezahlung angeboten haben, was die interne Unzufriedenheit nur noch weiter verstärkt haben dürfte. So waren die Produktionsassistenten größtenteils Leute ohne vorherige Erfahrung in der Produktion von TV-Animes inklusive dem Stress, der daraus hervorgeht. Ein Produktionsassistent ist jedoch ein sehr wichtiger Teil einer Anime-Produktion, da dieser die einzelnen Zeichner betreut, die gelieferte Arbeit kontrolliert und generell viel Koordinationsarbeit übernehmen muss. Entsprechend ist es vielleicht wenig verwunderlich, dass alleine aus der Produktionsabteilung vier Mitarbeiter während der Arbeit an dem Anime gekündigt haben.

Auch dass die zweiwöchige Ausstrahlungspause keine spürbare Verbesserung der Animationsqualität mit sich brachte, lässt sich durch Probleme hinter den Kulissen erklären. Es kam zu Kommunikationsproblemen, weswegen das Team sich nicht sofort darum kümmern konnte, die restlichen Episoden fertigzustellen, sondern sich vorwiegend damit aufgehalten hat, die internen Probleme zu klären.

Was nun genau mit den Episoden 11 und 12 passieren wird, ist bisher unklar. Auf dem Twitter-Account von »Märchen Mädchen« heißt es jedoch, dass diese Episoden noch veröffentlicht werden sollen. In welcher Form dies geschehen wird, steht allerdings noch nicht fest. Gerüchten zufolge zieht man aber einen Disc-Release in Japan in Betracht. Ob die beiden Episoden dann auch zeitnah im Westen erscheinen werden, wird sich wohl erst im Laufe der Zeit zeigen.

Hierzulande ist »Märchen Mädchen« bei Anime on Demand im Simulcast verfügbar.

Quelle: Twitter, Sakugabooru

Kommentare

12 Kommentare und Antworten zu "Nach Produktionsproblemen: »Märchen Mädchen«-Anime endet vorzeitig"

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Zwangsbestattung
Gast

Sehr schade für alle Fans und den Mitarbeitern an dem Projekt.

Bloodx
Gast

Erinnert mich grade richtig an den Anime Shirobako Folge 14 und 15. Der Anime zeigt allgemein sehr gut wie ein Anime überhaupt zustanden kommt und welche Probleme auftreten können.

Benjamin
Gast

»Generell soll Hoods Entertainment selbst für Anime-Verhältnisse eine sehr niedrige Bezahlung angeboten haben, was die interne Unzufriedenheit nur noch weiter verstärkt haben dürfte.«

Wenn ich als Chef/CEO eines Unternehmens meine Leute für das, was sie arbeiten und leisten, so schlecht entlohnen würde, dann muss ich mich nicht über die daraus resultierende Qualität wundern und sollte demnach eher kleine Brötchen backen.

Und wieso lässt man Produktionsassistenten, die, laut dem Artikel, noch grün sind, gleich voll mitwirken, ohne sie vorher mal anzulernen?

Evil Eye
Gast

Willkommen in der Anime Industrie

Nyan-Kun
Gast

»Und wieso lässt man Produktionsassistenten, die, laut dem Artikel, noch grün sind, gleich voll mitwirken, ohne sie vorher mal anzulernen?«

Bei dem ganzen Chaos, Stress und Druck waren wohl die Kapazitäten für eine Einarbeitung nicht da (wobei ich eher glaube, dass im Team kein Produktionsassistent mit einigermaßen Erfahrung mit an Bord war) und wenn man nicht williens ist mehr Geld auszugeben bekommt man auch nur solche Leute, die über jede Arbeit froh sind, die man ihnen anbietet.

Mei
Gast

sehr schade also als autor der light novel würde ich mich sehr ärgern

Teru
Gast

Ich mag den Anime und die Story sehr, und die Umsetzung in Episoden mit guter Animationsqualtität ist auch gelungen, mit schönen Charakterdesigns. Es ist bitter, daß die Probleme der Animeindustrie gerade bei diesem Anime hier mal voll zugeschlagen haben. Da er über AOD läuft erhoffte, ich auch ein Disc Release bei Kaze, wird wohl eher nichts. Episode 9 war animationstechnisch katastrophal, was mich zunächst ärgerte, aber irgenwann musste ich nur noch lachen. Daß man die Folge überhaupt ausgestrahlt hat, wundert mich. Ich hoffe, daß der Anime irgendwann mal von einem zufriedenen Team überarbeitet und zu Ende geführt wird. Und dann bei Kaze auf Disc bitte.

Steel
Gast

Bei Kaze hat da inzwischen ein umdenken stattgefunden. Laut einen Facebook post wird wohl nicht mehr alles was im Simulcast läuft auch auf Disc erscheinen.

shinji
Gast

Das wäre eine einschneidende Maßnahme.

sinned
Gast

Ich kann die japanische Arbeitskultur nicht ganz nachvollziehen. Weder die Dumpinglöhne der Unternehmen, noch dass Mitarbeiter sich das gefallen lassen und dutzende Überstunden die Regel sind… Ich hoffe da findet mal ein Umdenken statt :/

AnimeWestfalia
Gast

Das Problem ist u. A., dass japanische Arbeitnehmer der Ansicht sind, dass man seinen Kollegen nicht zur Last fallen soll. Wenn man früher nach Hause geht, befürchtet man, dass man einen falschen Eindruck hinterlässt. Nämlich der, dass man auf die Kollegengemeinschaft keine Rücksicht nimmt, diese einem egal sei. Außerdem gibt es Japan das Problem, selten die eigene Meinung zu äußern und wenn überhaupt, dann nur hinter sehr vorsichtigen Floskeln.

Fenris
Gast

Ein Vorgeschmack auf das, was die Animeindustrie in Zukunft noch erwarten wird. Stichwort: Demographische Entwicklung, Entlohnung, bzw. zu wenig Geld für den ganzen Stress (und die viele Zeit auf Arbeit)…