Mangaka kritisiert Publisher für Vorgehen gegenüber illegalen Seiten

Manga-Verkäufe sind in Japan seit Jahren rückläufig, wofür die Industrie vor allem Piraten verantwortlich macht. Auch wenn das japanische Rechtssystem sehr stark gegen Seiten mit piratierten Mangas vorgeht, tauchen immer wieder neue auf. Doch nicht alle Macher in der Manga-Industrie halten den Kampf gegen solche Seiten für zielführend. In einem Gespräch mit Huffington Post Japan äußerte Mangaka Takashi Yoshida (»The Almost Got Laid Comittee«) deswegen starke Kritik am Vorgehen der Publisher.

»Ich finde, dass sie die Piratenseiten nicht kaputt machen sollten. Stattdessen sollten sie sich wie ein Unternehmen dem Wettbewerb stellen. Das gerichtliche Vorgehen und das Abschalten solcher Seiten ist vollkommen nutzlos und kontraproduktiv«, so Yoshida. Aber er geht in seinen Äußerungen noch weiter: »Solche Seiten mögen zwar illegal sein, aber die Reaktion darauf aus der Druckindustrie und ihrer Mitglieder ist am schlimmsten.«

Yoshida zweifelt, dass es wirklich nur Piraterie ist, die dazu führt, dass die Manga-Verkaufszahlen seit 2005 rückläufig sind. Viel mehr glaubt er, dass die Manga-Industrie zu stur ist und an jahrzehntealten Methoden festhält, um ihre Mangas zu verkaufen. Doch das Festhalten an solchen Methoden hat in Yoshidas Augen vor allem dazu geführt, dass es zu einem Bruch zwischen Fans und der Industrie gekommen ist.

Dabei hat Yoshida viele Ideen, wie man die Leute dazu bringen könnte, wieder mehr Geld für Mangas auszugeben. In seinen Augen sind Piraten eben doch nur Fans, um die sich Publisher bemühen sollten. Deswegen findet er, dass man beispielsweise über eine Preissenkung der digitalen Mangas nachdenken sollte. Vorhandene Manga-Anbieter, bei denen man für einen monatlichen Beitrag unendlich viel lesen kann, müssten daran arbeiten, dass sie ihre Auswahl ausbauen, weil diese derzeit viel zu gering ist. Und auch sollte man überlegen, gedruckte Mangas nicht mehr eingeschweißt anzubieten, damit die Leute sie in den Läden durchstöbern können und so vielleicht zum Kauf animiert werden.

Yoshida selbst ist allerdings nicht davon überzeugt, dass er die Publisher zum Umdenken bewegen wird. Er selbst hält die kompletten Rechte an seinem eigenen Manga und operiert deswegen außerhalb der üblichen Kreise. Darum haben die Publisher keinen Grund, ihn ernst zu nehmen. »An dem, was ich sage, ist nichts Neues und schon viele Leute vor mir haben darüber gesprochen. Verändert hat sich dennoch nichts.«

Quelle: Huffington Post Japan, GoBoiano

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27 Kommentare und Antworten zu "Mangaka kritisiert Publisher für Vorgehen gegenüber illegalen Seiten"

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Light
Gast
Light

Ohne diese »illegalen Seiten« würden nicht Blu-Rays und Manga im Wert von über 10.000€ in meinen Regalen stehen. Niemals würde ich ne 100€ Serie blind kaufen.

Zwangsbestattung
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Zwangsbestattung

Würde man von Serien und Animes einfach mal die erste Folge auf Youtube hochladen kann sich jeder ein kleines Bild machen und es dann eventuell kaufen oder legal streamen.
Ich selbst guck auf manchen Seiten ne Folge und entweder wird die Serie gekauft oder nicht.

Hamurator
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Hamurator

Dieser Eingeschweißt-Wahn in Japan geht mir übrigens auch auf die Nerven, da es nicht nur Manga betrifft, sondern auch Artbooks und andere Presseerzeugnisse. Toranoana hat für manches in der Auslage Sample-Bände zum Durchblättern und Reinschauen, aber bei Regalware ist es ein Glücksspiel. Wenn einem das Cover gefällt muss man immer hoffen, dass der Rest des Buches auf ähnlichem Niveau ist (oder man legt es eben wieder zurück).

DerGhoul
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DerGhoul

Ich denke die Illegalen Streaming Seiten sollten weitermachen, wenn sie dann aber ihre Werbe einnahmen, die ja mind. im 5-6 Stelligen Bereich liegen zum großen Teil abgeben, wie Crunchyroll, so hätte jeder was davon: Die Macher ihr Geld, die Bublisher ihres und als Betreiber der Seite können sie auch was abbekommen.

Balmung
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Balmung

Ich kenne den japanischen Manga Markt nicht, von daher kann ich nur schwer etwas dazu sagen. Aber wenn sie wirklich zu sehr an alten Methoden fest halten, dann bin ich da der gleichen Meinung. Von Zeit zu Zeit muss man sich einfach an den Markt anpassen. Das es so viele Piraten Seiten gibt zeigt doch nur, dass mit dem Markt irgendwas nicht in Ordnung ist. Ganz kriegt man die Piraterie ohnehin nie weg, einige Leute ticken nun mal so das wenn sie Geld sparen können sie es auf diesem Wege tun. Man muss den Leuten schon einen Anreiz geben das zu lassen, dann kann man es auch einschränken. Siehe Netflix und Co oder eben auch Crunchyroll und Co, da hat man es richtig gemacht und sich dem Markt angepasst und schon schauen deutlich weniger (aber leider immer noch zu viele) illegal.

Vielleicht würde es auch helfen, wenn man die Gesellschaft generell mal wieder dafür sensibilisieren würden die Werke Anderer richtig schätzen zu lernen. Diese Werte scheinen über die Jahre bei vielen verloren gegangen zu sein bzw. viele Jüngere haben diese nie gelernt. Kommt aber sicherlich auch durch unseren heutigen Luxus, dass das Angebot viel größer ist als wir jemals konsumieren und damit eben auch als wir jemals bezahlen könnten.