Im Patentstreit zwischen Disney und InterDigital zeichnet sich die nächste Runde ab. Nachdem Disney+ die 4K-Wiedergabe in Deutschland mithilfe einer alternativen Technik schrittweise wiederhergestellt hat, geht InterDigital nun auch gegen diese Lösung vor. Wir fassen zusammen.
InterDigital nimmt VP9 ins Visier
InterDigital hat nach eigenen Angaben ein weiteres Verfahren beim Einheitlichen Patentgericht (UPC) angestoßen, das sich gegen die Nutzung des Videocodecs VP9 durch Disney richtet. Dieser kommt mittlerweile offenbar zum Einsatz, um 4K-Inhalte auf Disney+ trotz der bisherigen Patententscheidungen auszuliefern.
Disney hatte die 4K-Wiedergabe in Deutschland Ende Juli 2026 temporär eingestellt. Vorausgegangen war eine einstweilige Verfügung im Zusammenhang mit der Nutzung von HEVC-Technologie. Wenige Wochen später begann der Streaming-Dienst damit, 4K auf ausgewählten Geräten über eine alternative technische Lösung zurückzubringen.
Der VP9-Codec wurde ursprünglich als lizenzgebührenfreie Alternative entwickelt und ermöglicht ebenfalls die Übertragung von Videos in 4K-Auflösung. HDR wird über die von Disney verwendete Lösung allerdings weiterhin nicht angeboten.
Nach Auffassung von InterDigital stellt allerdings auch der Einsatz des VP9-Codecs eine Verletzung eigener Patentrechte dar. Das Unternehmen argumentiert, dass der Codec Technologien verwende, die unter anderem von Forschern und Entwicklern von InterDigital entwickelt worden seien.

Bereits mehrere Entscheidungen gegen Disney
Der Streit zwischen beiden Unternehmen zieht sich mittlerweile seit längerer Zeit hin. InterDigital zufolge wurden in Brasilien, Deutschland und vor dem UPC insgesamt sieben einstweilige Verfügungen gegen Disney erlassen.
Unter anderem entschied das Landgericht München in mehreren Verfahren zugunsten von InterDigital. Die betroffenen Patente beziehen sich auf unterschiedliche Bereiche der Videowiedergabe, darunter HDR sowie Technologien rund um die Videokompression und -übertragung.
Im Juni 2026 stellte die Mannheimer Lokalkammer des UPC eine Verletzung eines HEVC-Patents durch Disney fest. Einen Monat später folgte eine weitere Entscheidung der Düsseldorfer Lokalkammer, die ebenfalls HEVC-Technologie betrifft und Auswirkungen auf mehrere europäische Länder hat.
InterDigital wirft Disney vor, die geschützten Technologien ohne entsprechende Lizenz zu verwenden. Disney habe sich nach den bisherigen Entscheidungen stattdessen dafür entschieden, einzelne Funktionen seines Streaming-Dienstes Disney+ einzuschränken oder technisch zu ersetzen.

4K könnte erneut betroffen sein
Welche unmittelbaren Folgen das neue Vorgehen gegen VP9 für Disney+ haben wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Sollte sich InterDigital auch in diesem Fall durchsetzen, könnte Disney gezwungen sein, seine derzeitige 4K-Lösung erneut anzupassen.
Im ungünstigsten Fall könnte die 4K-Wiedergabe dadurch zumindest vorübergehend wieder eingeschränkt werden. Alternativ müsste Disney eine andere technische Lösung finden oder sich mit InterDigital über eine Lizenzierung einigen.
Für deutsche Abonnenten sind die Auswirkungen des Patentstreits bereits seit Monaten sichtbar. Während 4K inzwischen auf zahlreichen kompatiblen Geräten wieder angeboten wird, bleibt HDR weiterhin deaktiviert. Auch Dolby Vision und HDR10+ stehen bereits seit längerer Zeit nicht mehr zur Verfügung.
Betroffen sind Nutzer des Premium-Abos, das regulär 15,99 Euro pro Monat kostet und unter anderem mit einer Wiedergabe in bis zu 4K beworben wird. Disney hatte betroffenen Kunden aufgrund der Einschränkungen zuletzt verschiedene Kulanzmöglichkeiten eingeräumt.
Ob und wann es zu einer dauerhaften Lösung kommen wird, bleibt abzuwarten. InterDigital betont, weiterhin eine Lizenzvereinbarung anzustreben. Zugleich macht das Unternehmen deutlich, auch gegen alternative technische Lösungen vorgehen zu wollen, wenn diese nach eigener Auffassung bestehende Patente verletzen.
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Via heise online, InterDigital
© The Walt Disney Company
Disney ist eines der größten und reichsten Unternehmen der Welt, und will keine Lizenz für einen Codec zahlen, der es ihnen überhaupt erst ermöglicht, ihre Inhalte zur Verfügung zu stellen? Wie kann man nur so gierig sein?
Da steckt viel mehr dahinter als nur ein Codec, es steht das Streaming selbst in Visier.
Das ist Quatsch. Man hat sich an Technologie vergriffen für die es ein Patent gibt. Das ist das worum es geht. Ob das so gerechtfertigt ist oder nicht, muss sich zeigen.
InterDigital, ein Patent-Guru. Der sollte sich mal schämen.
Wenn sie Patente haben und diese geschützt wissen wollen, ist daran ja erstmal nichts auszusetzen.
Wow, trotzdem ein Guru. Wir brauchen uns nicht wundern, das alles so teuer wird.
Da gibt es aber ganz andere Gründe warum ‚alles so teuer wird‘. Da hat das hier nichts mit zu tun. Wenn diese Firma etwas entwickelt hat und es hat patentieren lassen und das Patent wurde zugelassen, haben sie auch das Recht für ihr Patent zu kämpfen.
Das Problem bei dieser Situation ist: Wir haben keinerlei Details über die Umstände oder die hier angesprochene Möglichkeit einer Lizenzvereinbarung. Da kennen wir die Konditionen nicht.
Und wenn Disney das bewusst genommen hat ohne eine Überprüfung, sind sie selber Schuld, wenn sie verklagt werden. Allerdings wissen wir ja nicht, ob das der Fall ist.
Es fehlen einfach Informationen, um das richtig einordnen zu können. Und da braucht man auch nicht gleich wieder loszuschreien, dass diese Firma ja so böse ist.
Und wenn Disney über einen anderen Partner eine Patent-Lizenz hat. Darf man dann noch einmal bezahlen?
Ein Partner ist ein Partner und nicht Disney. Von daher würde ich denken, dass Disney für sich eine eigene Lizenz erwerben müsste. Aber das ist nur meine Annahme. Wie das gesetzlich ist, weiß ich nicht. Wir werden ja sehen, was hierbei rauskommt.
Oje, oje …
–
Dann geht es jetzt wohl darum wer was wann in welcher Form hatte. Das kann ja was werden.
Für mich klingt das alles so ein bisschen nach Nokia und HEVC.
Das Problem ist halt, dass hier Informationen fehlen. Mal abwarten was denn bei diesem Verfahren rauskommt.
Wie armselig will InterDigital eigentlich sein?!?
Weil sie ihr Patent schützen/verteidigen, sind sie armselig? Dann könnte man genauso gut sagen, dass Disney+ armselig ist weil sie anscheinend keine Lizenzgebühren bezahlen wollen.
Nun, wenn InterDigital tatsächlich Patente innehat, die sich auf die genannten Codecs beziehen ist es deren gutes Recht gegen die unerlaubte Nutzung ebendieser zu klagen.
Das entscheiden zum Glück nicht wir, sondern die dementsprechenden Gerichte.
Verlierer ist hier nur der Kunde.