Streaming-Dienste entscheiden zunehmend über neue Anime-Projekte

Ein aktueller Beitrag des japanischen Anime-Produzenten Yusuke Onuki gibt Einblicke in die Finanzierung moderner Anime-Produktionen. Demnach können insbesondere die Zahlungen internationaler Streaming-Dienste entscheidend dafür sein, ob ein geplantes Anime-Projekt überhaupt umgesetzt wird. Wir fassen zusammen.

Streaming-Dienste können über Projekte entscheiden

Yusuke Onuki ist Präsident des japanischen Unternehmens Bushiroad Move und war als Produzent unter anderem an »The 100 Girlfriends Who Really, Really, Really, Really, REALLY Love You« und »As a Reincarnated Aristocrat« beteiligt.

In einem bei Gendai Business veröffentlichten Beitrag erläuterte er, welche Rolle Streaming-Dienste mittlerweile bei der Finanzierung von Anime spielen. Die Ausführungen basieren auf seinem Buch »Anime Business«.

Nach Angaben von Onuki kostet eine typische One-Cour-Anime-Serie mit zwölf bis 13 Episoden einschließlich Werbekosten durchschnittlich rund 350 Millionen Yen (knapp zwei Millionen Euro). Da einzelne Unternehmen bei solchen Summen ein erhebliches finanzielles Risiko tragen würden, werden die Kosten häufig im Rahmen eines sogenannten Produktionskomitees auf mehrere beteiligte Firmen verteilt.

Eine zentrale Rolle spiele dabei die »Minimum Guarantee« (MG). Dabei handelt es sich um eine garantierte Mindestzahlung, die ein Streaming-Dienst für die entsprechenden Rechte an einem Titel zusichert. Für die Verantwortlichen steht somit bereits vor der Veröffentlichung fest, mit welchen Mindesteinnahmen sie rechnen können.

Bei der Planung neuer Anime-Projekte sei daher entscheidend, welche Abrufzahlen auf internationalen Streaming-Plattformen zu erwarten sind und wie hoch die angebotene MG ausfallen könnte. Laut Onuki können diese Faktoren erheblichen Einfluss darauf haben, ob ein Anime-Projekt letztlich realisiert wird.

The 100 Girlfriends Who Really, Really, Really, Really, REALLY Love You

Exklusive Rechte erzielen höhere Beträge

Die Höhe der Zahlungen hängt laut Onuki zudem von der Art der Veröffentlichung ab. Bei exklusiven Streaming-Rechten hätten die Anbieter einen größeren Vorteil, weshalb für entsprechende Titel oftmals höhere Mindestgarantien angeboten würden.

Werden Anime dagegen von Beginn an über mehrere Dienste gleichzeitig vertrieben, entfällt der Vorteil der Exklusivität. In solchen Fällen spielten unter anderem Bekanntheit und Erwartungen an den jeweiligen Titel eine größere Rolle.

Diese Entwicklung ist zugleich auf den Wandel des Anime-Geschäfts zurückzuführen. Während insbesondere Late-Night-TV-Anime früher stärker auf Einnahmen aus dem Verkauf von DVDs und Blu-rays angewiesen waren, sind internationale Streaming- und Lizenzgeschäfte mittlerweile zu einer deutlich wichtigeren Geldquelle geworden.

Onuki zufolge könne die lineare Fernsehausstrahlung in Japan bei manchen Produktionen inzwischen vor allem dazu dienen, die Bekanntheit eines Titels zu steigern oder andere Geschäftsbereiche der beteiligten Unternehmen zu unterstützen.

Der Produzent weist auch darauf hin, dass öffentlich genannte Zahlen zum Verhältnis zwischen dem japanischen und internationalen Anime-Markt nicht zwingend sämtliche Geldströme abbilden. Vor allem Einnahmen aus dem Verkauf internationaler Rechte könnten je nach Statistik unterschiedlich erfasst werden. Die tatsächliche Bedeutung dieser Erlöse sei daher anhand einzelner Marktstatistiken nur schwer zu beurteilen.

The 100 Girlfriends Who Really, Really, Really, Really, REALLY Love You

Popularität allein reicht nicht für eine Fortsetzung

Die veränderte Einnahmestruktur hat laut Onuki auch Auswirkungen darauf, welche Anime eine Fortsetzung erhalten. Selbst eine Serie, die in Japan viel Aufmerksamkeit erzeugt oder in den sozialen Netzwerken häufig diskutiert wird, sei aus Sicht eines Investors nicht automatisch wirtschaftlich erfolgreich. Entscheidend sei letztlich, ob sich die Aufmerksamkeit auch in entsprechenden Einnahmen niederschlägt.

Gleichzeitig können die Erwartungen internationaler Streaming-Anbieter beeinflussen, welche Manga- oder Novel-Vorlagen für eine Anime-Adaption infrage kommen.

Onuki nennt etwa Isekai-Fantasy, Geschichten über Bösewichtinnen und bestimmte Battle-Formate als Genres, bei denen seiner Darstellung zufolge mit einer stabilen internationalen Nachfrage gerechnet werden könne. Auch bekannte Marken oder Werke renommierter Studios und Magazine könnten Vorteile haben.

Zusammengefasst wird deutlich, welche Bedeutung internationale Streaming-Dienste inzwischen für die Finanzierung von Anime haben. Neben der Beliebtheit einer Vorlage können auch erwartete Einnahmen aus Lizenzen und Streaming darüber entscheiden, ob Investoren ausreichend Mittel für eine Produktion bereitstellen.

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The 100 Girlfriends Who Really, Really, Really, Really, REALLY Love You

Via Gendai Media
© Rikito Nakamura, Yukiko Nozawa / Shueisha

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12 Kommentare
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KnSNaru

Das heißt im Umkehrschluss, noch mehr mülltonnenreife Gilden-und Dungeon-Anime sowie noch mehr unromantischer Spinner-RomComs wie 100 Girlfriends.

Marcus Cyron

Das Angebot an Animes ist jedes Quartal so groß und breit, dass ich dieses Gemecker wirklich nicht mehr verstehen kann.

Maurice

100 Girlfriends is mega, anscheinend hast nur du keinen Plan

KnSNaru

Ich finde »Koishima« auch megamäßig und dafür brauche ich keinen Plan.

Ich

Nun, ich kann verstehen, dass man schon schauen muss wie man sein Geld einsetzt; das macht ja jeder von uns auch im Kleinen. Und dass sich die Firmen da nun irgendwie orientieren müssen, um nicht einfach in Dunkle zu springen, kann ich auch verstehen. Das halte ich erstmal für nachvollziehbar.

Mein Problem dabei ist: Da geht dann halt der Mut für Projekte baden. Es ist ja jetzt nicht so, dass gar kein Platz für anderes da ist. Aber der Platz, der das ist, ist schon begrenzt. Das finde ich dann schon schade. Allergemein mehr Varianz fände ich nicht falsch – und ich meine jetzt nicht Varianz in einem Bereich wie Isekai. Insgesamt breitflächeriger.

Um mal ein aktuelles Positivbeispiel zu nennen: Jaadugar. Ein äußerst interessanter und spannender Titel. Nun ist aber die Optik dabei wohl etwas, dass die Leute abschreckt – was einem aber nicht hindern sollte; es ist meiner Meinung nach wirklich sehenswert. Vom Setting her ist es auch mal etwas erfrischend anderes. Ich hatte mir da schon mehr Aufmerksamkeit erhofft, aber das wurde dann doch enttäuscht.

Guts

Da geht dann halt der Mut für Projekte baden.

Der Mut kam durchs Streaming sogar wieder ein kleines Stück zurück, das aber voranging bei den Projekten, die stark durch den Westen mit produziert wurden. Vor +10 Jahren gab es im Grunde nur das System übers Komitee und Geld konnte man auch nicht so breitflächig einsammeln, da war die Risikobereitschaft schon sehr niedrig. Leider hat sich die Risikobereitschaft der Japaner durch die Mehreinnahmen nicht großartig verbessert, stattdessen wird das Geld mit der Gießkanne auf unzählige gleichartige Anime verteilt.

sidratho

Um mal ein aktuelles Positivbeispiel zu nennen: Jaadugar. Ein äußerst interessanter und spannender Titel.

Danke für den Tipp. Den habe ich mir jetzt einmal auf die Watchlist gesetzt.

Ich

Dann wünsche ich viel Spaß beim Schauen. Mir hat das wirklich gut gefallen – was ja nichts heißen muss.

jochen

Bin mir nicht sicher ob mir das gefällt.. noch ein Algorithmus mehr der bestimmt was man sieht. Und weil man nur noch zu sehen bekommt was bestimmt wurde, bekommt man noch mehr davon.

Guts

War früher nicht anders, dort haben halt die Einschaltquoten entschieden oder die Verlage, die einen Anime nur als Werbung für die Vorlage nutzten und ihn nach einer Staffel wieder einstellten, weil der Zweck erfüllt wurde. Dagegen gibt es heutzutage deutlich mehr Staffeln, weil die Anime jetzt selbst das große Geld einspielen und nicht nur die Vorlage pushen müssen.

Natsu90

Da kann man dehnen doch keinen Vorwurf machen wenn wir im Westen extrem abfahren z.B auf Isekai und dem ganzen Gedöns was dahinter noch kommt(was mir seit ungefähr zehn Jahren schon richtig auf die Nerven geht [es gibt gute Titel] aber ich brauche mir nicht tausendmal das selbe anzuschauen aber Leute wollen es…) dann ist es halt so Streaming Dienste kaufen das was die Mehrheit abruft und wenn die Abrufzahlen halt bei so einem Fantasy Anime hoch genug sind dann gibt es eine Fortsetzung und dann noch mal und dann noch mal…..<>

Da ist es dann eigentlich auf uns selbst zurückzuführen oder auf die Mehrheit der Fans heutzutage dass wir halt immer das ein und selbe bekommen.🤷‍♂️

Guts

Ist jetzt aber nicht so, als würden die in Japan nicht auch auf ähnlichen Kram stehen, die Vorlagen werden schließlich nach wie vor erst für Japan (und China) geschrieben, der Westen kauft sich meist nur ein oder lizenziert klassisch.