Japanische Regierung investiert Milliarden in die Zukunft von Anime

Die japanische Regierung möchte Anime, Manga und andere Unterhaltungsangebote noch stärker auf dem Weltmarkt etablieren und setzt dafür auf ein milliardenschweres Förderprogramm, das sowohl die internationale Expansion als auch neue Großproduktionen unterstützt. Wir fassen zusammen.

Milliardenprogramm für die Content-Industrie

Im Zuge des vor rund zwei Jahren angekündigten Vorhabens, die Auslandserlöse der japanischen Unterhaltungsindustrie bis 2033 auf 20 Billionen Yen (rund 109 Milliarden Euro) pro Jahr zu steigern, hat das Wirtschaftsministerium mehrere Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht.

Einer der Förderschwerpunkte ist die internationale Vermarktung japanischer Inhalte. Dafür sollen insgesamt 11,5 Milliarden Yen (rund 62 Millionen Euro) an 15 Unternehmen aus der Branche vergeben werden.

Zu den Empfängern aus dem Anime- und Manga-Bereich zählen Crunchyroll, Bandai Namco, Shueisha, Kodansha, NTT Solmare und Square Enix. Zudem werden auch Unternehmen aus den Sparten Musik, Videospiele und Live-Action unterstützt.

Gefördert werden unter anderem die Lokalisierung von Anime und Manga für weitere Sprachräume, internationale Werbekampagnen sowie Auftritte auf Messen und Veranstaltungen im Ausland. Der Staat übernimmt dabei bis zu 50 Prozent der anfallenden Investitionskosten.

Zu den wichtigsten Projekten zählen der Streaming-Dienst Crunchyroll und Shueishas Manga-Plattform »Shonen Jump+«, die ihre internationale Reichweite mithilfe der Förderung erheblich ausbauen sollen. Gleichzeitig soll die Nutzerzahl aller geförderten Angebote von derzeit etwa 100 Millionen auf mehr als 300 Millionen anwachsen.

A Mangaka's Weirdly Wonderful Workplace

Anime-Studios erhalten Zuschüsse

Ein weiterer Schwerpunkt der Förderinitiative ist das Programm »IP360«, mit dem groß angelegte Produktionen mit internationalem Erfolgspotenzial unterstützt werden sollen. Das Wirtschaftsministerium hat inzwischen die erste Auswahlrunde abgeschlossen und die ausgewählten Unternehmen bekanntgegeben.

Für den Anime-Bereich fiel die Wahl auf Aniplex, WIT Studio, CoMix Wave Films, Twin Engine, TRIGGER, Production I.G, K2 Pictures und MAPPA.

Die Fördergelder sind zweckgebunden und dürfen je nach Projekt unter anderem für die Entwicklung neuer Anime, den Aufbau nachhaltiger Produktionsstrukturen sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Kreative eingesetzt werden.

Darüber hinaus können auch Maßnahmen von der Vorproduktion über die Lokalisierung bis hin zur internationalen Vermarktung finanziert werden.

A Mangaka's Weirdly Wonderful Workplace

Breite Förderung der Produktionslandschaft

Die Zuschüsse decken dabei bis zu 50 Prozent der entsprechenden Produktionskosten ab und können eine Höhe von maximal 1,5 Milliarden Yen (ungefähr 8 Millionen Euro) erreichen. Die konkrete Fördersumme richtet sich nach verschiedenen Kriterien, darunter die durchschnittlichen Umsätze der drei erfolgreichsten bisherigen Werke des jeweiligen Unternehmens.

Übersteigen die Erlöse später einen festgelegten Schwellenwert, muss ein Teil der Fördergelder an den Staat zurückgezahlt werden.

WIT Studio, TRIGGER, K2 Pictures und MAPPA setzen die Fördergelder für konkrete neue Anime-Projekte ein. CoMix Wave Films und Twin Engine wollen damit ihre allgemeine Animationsproduktion stärken.

Aniplex investiert derweil in den Ausbau einer nachhaltigen Produktionsstruktur, während Production I.G mit den Zuschüssen ein langfristig tragfähiges Arbeitsumfeld für Kreative schaffen möchte.

A Mangaka's Weirdly Wonderful Workplace

KI gegen Piraterie

Zusätzlich sieht die Regierungsinitiative den verstärkten Einsatz von generativer KI vor, um offizielle Übersetzungen von Anime und Manga schneller veröffentlichen zu können. Damit soll verhindert werden, dass Piraterieseiten den offiziellen Fassungen mit inoffiziellen Übersetzungen zuvorkommen.

Nach Schätzungen der japanischen Regierung verursachten Piraterieseiten allein im Jahr 2025 wirtschaftliche Schäden in Höhe von rund 5,7 Billionen Yen (etwa 35 Milliarden Euro). Einschließlich Urheberrechtsverletzungen bei Merchandise summierte sich der Gesamtschaden auf 10,4 Billionen Yen.

Die verschiedenen Fördermaßnahmen unterstreichen die Bedeutung der Content-Industrie, die für die japanische Regierung zu den 17 strategischen Wachstumsfeldern des Landes zählt und künftig international noch wettbewerbsfähiger werden soll.

Mehr zum Thema:

A Mangaka's Weirdly Wonderful Workplace

Via The Japan News, Otaku Research Institute
© Kuzushiro / Kodansha Ltd.

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir eine Provision. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten. Mehr dazu.

Artikel teilen

Newsticker

Weitere Themen

Diskutiere mit!

guest
2 Kommentare
Bewertung
Neueste Älteste
Ich

Die Fördergelder sind zweckgebunden und dürfen je nach Projekt unter anderem für die Entwicklung neuer Anime, den Aufbau nachhaltiger Produktionsstrukturen sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Kreative eingesetzt werden.

Oh, sie dürfen auch für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt werden? Wow, das ist aber nett. Ich schätze mal, das als Bedingung zu machen, um förderung zu bekommen gekoppelt an konkrete Pläne und natürlich auch einer Überprüfung war nicht drin.

Aber hey, es gibt ja Geld …

Zusätzlich sieht die Regierungsinitiative den verstärkten Einsatz von generativer KI vor, um offizielle Übersetzungen von Anime und Manga schneller veröffentlichen zu können. Damit soll verhindert werden, dass Piraterieseiten den offiziellen Fassungen mit inoffiziellen Übersetzungen zuvorkommen.

Wow … ich weiß ja nicht wer diese Idee hatte, aber ich denke man will fördern? Wie wäre es denn dann mit Ausbildungs- und Förderprogrammen für Übersetzer? Aber wir leben ja im Zeitalter der KI … Da ist man natürlich auf die Idee gekommen KI für die Übersetzungen zu benutzen, um Piraterieseiten zuvor zu kommen. Diese Logik …

Guts

Gefördert werden unter anderem die Lokalisierung von Anime und Manga für weitere Sprachräume, […]

Oh je, die letzten Jahre haben doch gezeigt, dass man den Japanern lieber nicht die Verantwortung für die Lokalisierung überlässt 🙄