UN-Initiative: Länder sprechen sich gegen Verbot grenzwertiger Anime-Bilder aus

Vor Kurzem veröffentlichten die Vereinte Nationen (United Nations, kurz UN) einen Entwurf zum Fakultativprotokoll zur Kinderrechtskonvention. Dieser enthält auch einige Passagen, die womöglich große Auswirkungen auf Anime und Manga haben könnten. Darin wurde nämlich ein gesetzliches Verbot von gezeichneten erotischen Inhalten gefordert, wenn diese Figuren zeigen, die minderjährig sind oder so wirken (wir berichteten).

Gleichzeitig bat man aber auch um Rückmeldung aus der Bevölkerung. Nun hat man auf der offiziellen Webseite die Meinungen der Länder, Organisationen und Leute, die sich daraufhin gemeldet haben, veröffentlicht.

USA, Japan und Österreich äußern sich

Insgesamt gab es mehr als 300 Zuschriften, unter anderen von 17 Ländern, mehreren Nicht-Regierungsorganisationen sowie einer Vielzahl an Individuen. Während das Fakultativprotokoll zur Kinderrechtskonvention zwar eine große Bandbreite abdeckt, zeigte sich ein großer Teil der Zuschriften besonders kritisch zu den Passagen, die auch Anime und Manga betreffen würden.

Die USA forderten beispielsweise, dass die Formulierung dahingehend geändert wird, dass eine stärkere Bindung an nationale Gesetze existiert. So sollen Länder entsprechende Gesetze verabschieden, die aber im Einklang mit bisheriger legislativer Rechtsprechung stehen. Als Beispiel verwies der Beitrag aus den USA darauf, dass gezeichnete Darstellung von nicht-existenten Kindern in ihrem Land durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind – auch bei expliziten Inhalten, solange diese nicht den Standard für Obszönität erreichen.

Der Kommentar aus Japan hingegen wünschte eine Einschränkung des Textes, sodass nur Material betroffen ist, welches ein reales Kind repräsentiert. Zeichnungen, die ein Bild eines echten Kindes als Vorlage nehmen, würden also bei expliziten Inhalten illegal sein – ähnliches Material ohne echte Vorlage hingegen nicht.

Österreich erklärte, dass solange gezeichnete Darstellungen nicht einer realistischen Abbildung eines Kindes entsprechen, man nicht denkt, dass solches Material als Kinderpornographie behandelt werden sollte. Dabei verwies man auf eine kürzlich veröffentlichte EU-Direktive, die Kinderpornographie als Bild- und Videomaterial eines echten Kindes oder einer Person, die wie ein Kind aussieht, sowie weitere Abbildungen wie Zeichnungen, die einem realistischen Abbild eines Kindes entsprechen, definiert.

Auch Deutschland äußerte sich zur Richtlinie, aber nicht zu den Punkten, die eine Verschärfung für Anime und Manga bedeuten würden.

Organisationen sprechen sich gegen Entwurf aus

Die meisten zivilrechtlichen Organisation, die den Entwurf kommentierten, kritisierten vor allem die Passagen bezüglich der Darstellung fiktionaler Kinder. Diese, vor allem aus Japan, befürchteten einen negativen Einfluss auf die Meinungsfreiheit, wenn das Protokoll in der derzeitigen Form verabschiedet werden würde. Auch wurde infrage gestellt, ob so ein Verbot wirklich Kindesmissbrauch verhindern könnte.

So widersprach die »Teenagers Group Against the Prohibition of Comics, Animation and Games«, eine japanische Gruppierung von vorwiegend Jugendlichen, der Forderung aufgrund der mangelnden Wissenschaftlichkeit. Die Organisation bezog sich dabei auf Forschungsergebnisse der Universität von Kopenhagen, die das Thema für das dänische Justizministerium untersuchte. Diese fand in einer Studie keinen kausalen Zusammenhang zwischen realem Kindesmissbrauch und der sexuellen Darstellung fiktionaler Kinder. Jedoch war dies ein zentrales Argument im UN-Entwurf, wieso solches Material verboten werden sollte.

Auch die »Association for Freedom of Entertainment Expression« (AFEE) schlug in eine ähnliche Kerbe: »Der Vorwurf, dass solche Darstellungen dazu beitragen würden, die Sexualisierung von Kindern zu Normalisieren und den Bedarf für Kindesmissbrauchsbilder ankurbeln wurde oft als praktischer Vorwand genutzt, der aber dennoch keinen wissenschaftlichen Fakt darstellt und nichts mehr als ein Versuch ist, gewisse religiöse Weltbilder oder konservative Moralvorstellungen in die Realität umzusetzen.«

Finale Fassung soll demnächst vorgestellt werden

Das Komitee, welches für den Entwurf verantwortlich ist, wird nun weiter beraten und in naher Zukunft eine finale Entwurfsfassung vorstellen. Dabei betonte man, dass man auch die erhaltenen Kommentare berücksichtigen wird. Ob die für Anime und Manga kritischen Passagen in dieser finalen Fassung ebenfalls erhalten bleiben, wird sich noch zeigen.

Quelle: NicheGamer, ohchr.org
Miss Kobayashi’s Dragon Maid: © クール教信者・双葉社/ドラゴン生活向上委員会

Kommentare

18 Kommentare und Antworten zu "UN-Initiative: Länder sprechen sich gegen Verbot grenzwertiger Anime-Bilder aus"

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Tsuki Belmont
Gast

DIe sollen lieber echten kindern in realen welt helfen.

Robin
Gast

Genau, gibt genug Kinder, die zu Hause geschlagen oder anderweitig misshandelt werden. Die brauchen erst mal Hilfe.

Fetter Bandit
Gast

Wie immer sind Spiele oder Animes an irgendwas schuld. Die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt, wissen noch nicht einmal das es so Sachen wie ( Loli ) Hentais/GC Bilder überhaupt existieren.
Kindesmissbrauch gab es schon immer auf dieser Welt auch vor den Loli werken.
Ein Verbot würde nichts ändern!

Die sollen lieber echten Kindern helfen, aber das wäre ja zu viel Arbeit für die.

Gut das es noch gescheite Menschen auf dieser Welt gibt, die die Sache anderes sehen.

Bishoujo Typ
Gast

Sehr zufriedenstellender Post.

Hysterie bei fiktiven Werken (gerade in der modernen Zeit), würde einen weiteren riesen Schritt in Richtung autokratischer Gesellschaft bedeuten, die es in Deutschland (und auch sehr vielen anderen Ländern) leider eh schon gibt. Kritik an Gesellschaft und moralischen Hierarchien, Hinterfragen »warum X, wenn doch Y« ist auch hier bereits heute schon sehr unerwünscht, auch wenn uns einige Länder da noch ein Stücken voraus sind.

Eigentlich bin ich ja auch kein Rebell, doch wird der Wunsch nach unbeschwerter Freiheit bereits leider von einigen als »rebellisch« gedeutet. Und ich bin selbstverständlich gegen jede Form des realen Kindesmissbrauchs.

Balmung
Gast

Lieber nicht zu früh freuen, aber zumindest gibt es noch viele vernünftige Menschen auf diesem Planeten.

BunnyHunter
Gast

Ja da gebe ich dir recht noch ist die Menscheit ( Anime Welt ) nicht verloren 🙂

Japanischer_Glotzfrosch
Gast

Wenn die Länder für sich regeln und Gesetze erlassen wie damit umzugehen ist, dann wird es in Deutschland definitiv verboten.

Ich hoffe das mehrere Länder dagegen stimmen, damit das Ding weg vom Fenster ist.

Staarbreeze
Gast

Dann können wir auch gleich Freibäder bannen, da sind Kinder auch öfters mal nackt. Die Shimoneta/Demolition Man Zukünfte werden leider immer Realer. Gott bewache, das bald auch Sex verboten wird bzw. nur noch über VR-Geräten verfügbar sein wird. Ein Hoch auf die SJW.

Fenris
Gast

Stichworte Demolition Man: Hauptsache es gibt dann noch die berühmten »drei Muscheln«.

Acceelrator
Gast

Zu erwahnen ist auch falls die Un diesen entwurf durchbringen mochte mussen ALLE mitgliedsstaaten der Un dem entwurf zustimmen. Stimmen 1 oder 2 lander nicht zu, wird der entwurf entweder zu halt gebracht oder komplett ubern haufen geworfen, eine wiederwahl kann dann nur wieder dem entsprechend nach 3 jahren wieder durchgefuhrt werden.

“In short US is basically saying « We’ll follow our own legal system.thank you..« the said Legal system includes the ‚First Amendment ».. and i believe the First Amendment Protects Anime and all related forms of media.. unless they sexually depict minors in any form..

and like you said the Proposed UN draft basically meant Banning everything under « New Definition « of child Pornography which didn’t sit right with US.. ..which is obviously right since this new definition.would almost deem half of the animes Illegal..which is preposterous…..

That said and done.. All this is pointless unless all members of the assembly are in favour of it… Even if 1 of them is not in favor..then the whole Proposal is either put on hold or scraped..and can only be retaken into consideration after 3 years wait period…and after 3 years again the same rule applies »All members have to be in favor of it in order to get passed«.. and i am pretty sure 1 or 3 countries will definitely not be in favor of it..”