»JoJo«-Mitarbeiterin: »Wir sehen nichts von ausländischen Investments«

Terumi Nishii zählt zu den erfahrensten Persönlichkeiten der japanischen Anime-Branche. In ihrer über 20-jährigen Karriere wirkte sie an mehr als 50 Projekten mit und war zum Beispiel bei »Jojo’s Bizarre Adventure: Diamond is Unbreakable« als Chief Animation Director und Charakterdesignerin tätig. Doch nach so vielen Jahren in der Anime-Industrie fand sie, dass es Zeit wird, auch über die Schattenseiten zu sprechen. Dazu führte sie ein Interview mit der Seite Tokyoscope.

Deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren

Laut Nishii sollen sich die Arbeitsbedingungen in der Anime-Branche seit ihrer Anfangszeit deutlich verschlechtert haben. So berichtet sie davon, dass zwei ihrer Kollegen in ihren 40ern gestorben sind, was in ihren Augen definitiv daran lag, dass sie viel zu viel arbeiten mussten. Die Situation wiederum sieht sie darin begründet, dass nun viel mehr Anime produziert werden als noch vor einigen Jahren.

Gleichzeitig mangelt es laut Nishii aber an Fachkräften – viele Studios nehmen fast jeden, der auch nur ein Minimum an Talent zeigt, investieren aber nicht die Zeit, die Fähigkeiten der Neulinge auch weiterzuentwickeln. Zudem soll die Bezahlung so schlecht sein, dass viele talentierte Künstler nach wenigen Jahren wieder aufhören. Dadurch leidet die Qualität der Anime-Produktionen, es kommt zu Verzögerungen und ein echter Ausweg ist nicht in Sicht.

Ausländische Investments verbessern Situation nicht

Auch ausländische Investments haben laut Nishii wenig an der Situation geändert. Sie berichtet davon, dass die Künstler eigentlich nichts von diesem Geld sehen, obwohl teilweise wirklich große Summen fließen.

Die Art, wie ausländische Unternehmen zahlen, soll allerdings auch manchmal für Probleme sorgen. Denn im Gegensatz zu Japan soll es dort üblich sein, dass Zahlungen erst nach Abschluss eines Projekts erfolgen. Für viele japanische Studios stellt dies eine große Herausforderung dar.

Brancheneinsteiger aus dem Ausland sollen sich gut informieren

Viele Fans fragen oft danach, wie man die Leute in der Anime-Industrie am besten unterstützen kann. Hierfür hatte Nishii eine klare Empfehlung: Man soll die Doujinshi der Leute, die an den eigenen Lieblingsshows mitarbeiten, auf Events wie der Comiket kaufen oder sie über Webseiten wie Pixiv FANBOX oder Patreon unterstützen. Dann kommt ihnen das Geld nämlich direkt zugute. Von Merchandise- oder Disc-Verkäufen hingegen sehen die kreativen Köpfe hinter den Anime-Produktionen nicht besonders viel.

Und auch für Ausländer, die gerne in die Industrie einsteigen wollen, hatte Nishii einen Rat. Diese sollen sich nämlich ganz genau über die Situation und die Arbeitsbedingungen informieren. Denn es gibt keine Gewerkschaft oder eine andere Form des Schutzes. Dabei betonte sie aber, dass sie eigentlich nicht so negativ klingen will. Ganz im Gegenteil, sie fände es gut, wenn mehr Ausländer in der Anime-Industrie arbeiten würden. Dennoch findet sie es wichtig, dass man über die Situation Bescheid weiß.

Quelle: Tokyoscope
©LUCKY LAND COMMUNICATIONS/集英社・ジョジョの奇妙な冒険GW製作委員会

Kommentare

27 Kommentare und Antworten zu "»JoJo«-Mitarbeiterin: »Wir sehen nichts von ausländischen Investments«"

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Fragl
Gast

Jeder weiß doch inzw., dass die meisten Kreativen Köpfe hinter den Anime weit zu wenig bekommen. Allerdings höre ich immer nur Mimimi von diesen kreativen Köpfen, ausnutzen lassen sie sich weiterhin.

Ich weiß, dass Japan nicht ein Land mit ausgeprägter Streikkultur ist, aber manchmal helfen eben nur diese. Ein kreativer Streik, wie letztens die japanische Busfahrer wäre sicher auch hier für die kreativen Köpfe sinnvoll.

SalmonOfDoubt
Gast

Derartiges kannst du vergessen. Den Leuten wird in Japan vorallem Loyalität beigebracht. Da wird sich nicht gegen das Wort des Chefs widersetzt weil das einfach nicht zu den guten Sitten gehört.

jojo
Gast

Man merkt schon dass die Qualität in den letzten Jahren abgenommen hat. Wenn man sich zb. Isekai Cheat Magican anschaut, hingerotzte Story, und flüssige Animation sind ein Fremdwort für diesen Anime! Quantität statt Qualität.🤔 Dafür sind die Animes zugänglicher heut zu Tage wiederum, was natürlich auch schön ist! Aber zurück zum Thema, da muss sich auf jeden Fall was ändern. Aber denke in Japan muss es erst knallen bevor sich da was in der Industrie ändert!? Was eigentlich schade ist, mMn gehört es mittlerweile zu Japans Kultur, was sie auch besser hegen und pflegen sollten! Denn zur Zeit sind die einzigen Verlierer die Studio Mitarbeiter sowie die freien Mitarbeiter. Auf Dauer kann das nicht gut gehen!

TheBeron
Gast

Bei Isekai Cheat Magician kannst du die Story aber nicht auf das Anime Team schieben. Immerhin war das eine Light Novel adaption!
Aber ich gebe dir Recht in Bezug auf schlechte Animationsqualität

Mana
Gast

Storys sind bekanntlich Geschmackssache und wie schon gesagst die liegt ja bei dem Titel an anderen. Ich finde ihn garnicht so schlicht wie manch andere die vielmehr gehypt werden nur weil sie vielleicht besser aussehen, dass ist nun mal auch nicht alles.

KuroKenshin
Gast

Das es Schattenseiten gibt in der Anime Branche ist ja nichts neues, aber diese Aussage: »Von Merchandise- oder Disc-Verkäufen hingegen sehen die kreativen Köpfe hinter den Anime-Produktionen nicht besonders viel.« stimmt mich sehr nachdenklich…

Tanyadeguarechaff
Gast

Ich dachte auch mit dem kauf von Merch und Volumes unterstützt man die Anime Branche

MIWA
Gast

Unterstützen ja, nur kommt das eben nicht bei denn Mitarbeitern an bzw. Nicht mal so richtig bei denn Künstelern.
Denke mal das die für ihre Werke dann nur ne einmal Zahlung Bekommen und keine Gewinnbeteiligung.
Und bei Mitarbeitern ist eben klar das die nur ein normales Monats Gehalt bekommen.
Interessant ist aber zu sehen das in Japan Vorkasse anscheinend üblich ist werden man im Westen ja erst nach gemacht Arbeit bezahlt wird.

Guts
Gast

Sind halt einfache Auftragsarbeiten wenn das Studio nicht zufällig im Komitee sitzt oder anderweitig Rechte an der Marke hält.
Auftraggeber will einen Anime -> Studio nennt seinen fixen Preis (oft auch zu gering um die Konkurrenz zu unterbieten) -> Auftraggeber nimmt an -> Studio produziert. Mit dem Erfolg hat das Studio und besonders die Mitarbeiter dann quasi nichts mehr zu tun. Wenn ein Anime mega erfolgreich ist, sehen die nichts davon, wenn ein Anime mega floppt, sehen die im Grunde auch nichts davon. Das ist alles dem Komitee vorbehalten.
Auch die Mitarbeiter werden nicht immer nach einem festen Gehalt bezahlt, da gibt es genügend, die nur nach Auftrag bezahlt werden und nach erledigter Arbeit vor die Tür gesetzt werden.

KuroKen
Gast

Also wieder nur Schal und Rauch,was uns die (deutschen) Publisher einbläuen wollen, das wir mit dem Disc Verkauf evtl die deutschen Märkte unterstützen, aber die Japaner sehen davon wenig…

Schattenan
Gast

Nun ja, so einfach ist das auch wieder nicht. Man darf nicht vergessen, dass Geld am Ende auch Geld ist. Und wenn ein Produktionskomitee durch Verkauf und Merchandising und Disks viel Geld erhält, wird dieses in der Regel auch wieder in neue Projekte reinvestiert, und dass schafft Arbeitsplätze, auch in den Studios. Ohne die Verkäufe würden wir von »Schlechte Arbeitsbedingungen« zu »Gar keine Arbeitsbedingungen« übergehen.

Die schlechten Arbeitsbedingungen sind eher struktureller Natur und können in zwei Aspekten erklärt werden:

1. Wie beschrieben holen sich viele Studios regelmäßig Artisten von einigen Kunstuniversitäten oder aus der Indie-Szene und bezahlen diese für Berufseinsteiger sehr geringe Löhne bei hohem Arbeitspensum. Nach einigen Jahren, mit mehr Berufsehrfahrung, werden Sie wieder auf die Straße gesetzt, denn dann gelten die Personen wieder als zu teuer. Stattdessen holt man sich wieder neue günstige Berufseinsteiger. Diejenigen, die sich druchbeisen, müssen akzeptieren, dass sie kaum eine Chance auf eine Gehaltserhöhung haben.

2. Konkurrenz aus dem Ausland: In den letzten Jahren wird mehr und mehr der Produktion ins Ausland ausgelagert. Mit wenigen Ausnahmen stehen in den Credits von allen Animes unteranderem viele südkoreanische und chinesische Namen. Ein rein japanischen Anime gibt es schon seit langen nicht, auch wenn es einige gibt, die noch diese Wunschvorstellung hegen! Auch hier ist der Preis entscheidend. Mehr und mehr konzentriert man sich in Japan auf die Hintergründe, Key Frame Animations und Postproduktion. Viele »einfache« Szenen werden schon in das Ausland verlagert.

Hier haben wir also ganz starke strukturelle, wettbewerbliche Gründe für die Arbeitsbedingungen, die die Branche nur selbst lösen kann. Wer aber aus der Aussage von oben daraus ableitet, dass es dann doch ok ist, Animes illigal zu schauen, trägt sehr stark dazubei, dass, wenn überhaupt, dadurch sich die Bedingungen für japanische Angestellte noch weiter verschlechtern und noch mehr Produktion ausgelagert werden.

jojo
Gast

Könnt mir sogar vorstellen das sie in der Zukunft vom streaming mehr haben als von disc ect. Ist natürlich nur ne Vermutung!? Kann mir gut vorstellen das Server kosten günstiger und schnellere Einnahmen bringen als die disc verkäufe?

Guts
Gast

Ob Disc oder Streaming spielt kaum eine Rolle, das Geld geht ja erst den Weg übers Komitee und landet sowieso nicht bei den Studio-Mitarbeitern. Es ändert sich nur was wenn die Mitarbeiter/Studios streiken und generell mehr Geld verlangen oder der Markt komplett zusammenbricht…

Sun
Gast

Nein! Wie schon erwähnt es unterstützt die Anime Branche und macht den deutschen Markt attraktiver, ABER es kriegt halt der Künstler sehr wenig vom Kuchen ab- »die Japaner« ist halt sehr allgemein formuliert, da die Branche ja nicht nur aus Künstlern besteht, die aber wiederum einen erheblichen Anteil an der Produktion haben, deswegen ist der Einfluss durch direkten Support auch größer und evt. besser 🙂

Nanashi
Gast

Man sichert, dass weiter Anime produziert werden und dass Fortsetzungen für Serien produziert werden, die eventuell in Japan keine Kassenschlager waren. Wie viel Geld bei den beauftragten Studios und anderen Firmen ankommt, ist ein innerjapanisches Problem, dass die Auftraggeber (das Komitee) und der Auftragnehmer (das Studio) untereinander ausmachen müssen.
Wenn nicht die legalen Quellen genutzt und bezahlt werden und dadurch die Projekte weniger rentabel sind, gibt es noch weniger Handlungsspielraum, um mehr Geld an die Studios fließen zu lassen.

@Erica
Gast

was soll man dazu sagen, hört sich für mich echt furchtbar an, wo landet das ganze geld.

Prov94
Gast

sehe ich genauso, für mich eher ein Indiz das die ganzen Käufe letzten Endes den Animatoren und Künstlern absolut nichts bringt. Da lade ich streame ich lieber illegal und zahle das Geld was ich für die DVD ausgegeben hätte lieber direkt an die Künstler, die haben dann mehr was davon.

Mana
Gast

Na bei denen die den Anime im Auftrag geben die wollen damit ja Gewinn machen, wie in anderen Wirtschaftsbereichen auch. Und Merchandise sind ja wieder extra Rechte die dann sich auch spezielle andere Firmen teils holen…man sah da auch schon immer dass es nur aufs schnelle kurzfristige gedacht ist, denn lägnerfristig ist ja das wenigste davon überhaupt zu kaufen.

Lorenzo
Gast

Ihr solltet als Journalisten Crunchyroll mal fragen, was das denn eigentlich für eine mafiöse Taktik ist, das Geld erst nach dem Projekt auszuzahlen, nachdem sich alle totgearbeitet haben. Wir zahlen die Abos auch monatlich, oder im Voraus. Dann sollte das für ein laufendes Projekt auch dahin weitergeleitet werden, wo es hingehört, und nicht in CRs Sparschwein vergammeln.

Ich habe mich außerdem schon immer gefragt, ob man die Leute nicht via patreon unterstützen kann, aber wie viele haben da wohl überhaupt ein Konto, und wie soll man die als normie weeb rausfinden?

Kaito
Gast

Du kannst sie ja über Patreon oder Pixiv spenden, klar wird nicht jeder sowas haben, aber auch nicht jeder will so eine Unterstützung. Die andere Sache mit mafiöse Taktik, will ich mir lieber nicht zu äußern, den ich kenne die ganzen Verträge und Vorgänge nicht um jetzt sagen zu können, wer jetzt der Böse ist, man sollte auch nicht jeden verurteilen, wenn man die Fakten nicht kennt ^^

MIWA
Gast

Ich nehme jetzt einfach mal an das du noch recht jung bist;) .
Es ist im Europa das normalste der Welt das man erst nach geleistet arbeit bezahlt wird.
Z.B. deine Vater Fängt ne neue Stelle an arbeite 30 Tage und bekommt dann seine erstes Gehalt.
Oder Firma X baut ein Haus und bekommt dann nach denn es Fertig ist sein Geld.
Bzw was auch noch häufig gemacht wird ist Frima X baut ein Gebäude das in mehreren Abschnitten unterteilt wird und Belommt für jeden Fertiegn Abschnitt seinen Geld hier auch erst Arbeit dann Geld.

Minera
Gast

Wenn du in die Arbeitswelt kommst, Lorenzo, wirst du es bestehen.
Man wäre doch lebensmüde, wenn man ein Projekt (was noch nicht beendet ist) komplett bezahlt.

Nanashi
Gast

Crunchyroll produziert bekanntermaßen als Produktionskomiteemitglied. Bei Produktionskomitees gibt es nur Vorauszahlung, d.h. dass Geld wird verpflichtend vorher bereitgestellt.

Nishii-san hat, so weit ich sehen kann, auch bei keinem von Crunchyroll mitproduzierten Titel mitgewirkt. Aber sie arbeitet derzeit an einer Netflixproduktion …

Lorenzo
Gast

>Nishii-san hat, so weit ich sehen kann, auch bei keinem von Crunchyroll mitproduzierten Titel mitgewirkt.

Als bei »JoJo-Mitarbeiterin« dachte ich direkt an Crunchyroll.

>Es ist im Europa das normalste der Welt das man erst nach geleistet arbeit bezahlt wird.

Ja, nach einem Monat, also bei 4 Episoden, ist das ok. Der letzte JoJo-Part hatte aber so 40 Episoden, und wenn mein Vater 40 Wochen ohne Lohn arbeiten würde, wäre er vielleicht obdachlos. Ein »Projekt« fasse ich als eine Staffel auf. Wenn es so hohe Beträge sind wie sie sagt, muss es ja irgendein Streaming-Gigant sein, der das abzieht. Und von Netflix hört man eben nur Gutes.

jojo
Gast

War das nicht bei AoD so das pro geliehenen Anime die Japaner prozentual was abbekommen? Finde das eigentlich eine ganz gute Regelung, müssten nur noch die Studios/Mitarbeiter was davon sehen.

Mana
Gast

Man konnte es leider lange sehen und sich denken….und war natürlich wieder klar dass das ganze mit den ausländischen Dingen eher nur Heulicherrei ist und sie nichts von haben…ist einfach nur armseelig. Sowas sollte man dringend ändern, bzw überhaupt dass man wieder weniger produziert und der gleichen…

CybernetikFrozone
Gast

Deutsche Publisher brauchen auch weiterhin Geld,auch wenn das Geld nur zu den Chefs der Produktionskomitees kommt und nicht zu den Zeichnern selber, schließlich sind ja Deutsche auch Menschen,die ihre Miete bezahlen und Essen müssen. Wie unten schon geschrieben wurde,das ganze kann nur von Japans Seite aus gelöst werden. Werden japanische Firmen weiter Insolvenz anmelden müssen,gibt es halt weniger Anime,es ist ja nicht so das Animator,keyframer oder Firmenchef die einzigen Jobs sind die es gibt, können ja bei der Zeitung oder so anfangen.