Kazuhiko Torishima, ehemaliger Redakteur von »Dragon Ball«, hat erneut deutliche Kritik an modernen Manga geübt und dabei auch einige der derzeit erfolgreichsten Titel nicht verschont. Wir fassen nachfolgend zusammen.
Kritik an modernen Manga
Nachdem Torishima zuletzt vor allem »Dragon Ball DAIMA« mit seiner Kritik ins Visier genommen hatte, richtete er diese nun während eines Panels auf der Comicon Napoli 2026 allgemein gegen moderne Manga-Reihen, die sich seiner Meinung nach in eine sehr problematische Richtung entwickelt hätten.
Vor allem bemängelte er, dass heutige Werke oft viel zu textlastig und überladen seien. Eine Manga-Seite sollte laut dem Ex-Chefredakteur des »Weekly Shonen Jump«-Magazins idealerweise innerhalb von drei Sekunden erfassbar sein – moderne Titel würden diesem Ansatz jedoch kaum noch folgen.
In diesem Zusammenhang erwähnte er insbesondere »Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba«, »Chainsaw Man«, »Jujutsu Kaisen« sowie »Blue Lock«.
Doch auch »One Piece« und »Naruto« seien seiner Meinung nach im Laufe der Zeit zu komplex geworden und würden sich mittlerweile kaum noch an Kinder richten.

Lob für »Dragon Ball«
Im Gegensatz dazu lobte Torishima erneut den Stil des verstorbenen Akira Toriyama, dessen Geschichten sich laut ihm durch eine besonders klare und leicht verständliche Erzählweise ausgezeichnet hätten. Gerade diese Einfachheit habe »Dragon Ball« über viele Jahrzehnte hinweg für ein breites Publikum zugänglich gemacht.
Bereits in der Vergangenheit sorgte der ehemalige Redakteur mehrfach mit kritischen Aussagen über bekannte Manga- und Anime-Franchises für Diskussionen innerhalb der Community. Laut einer Stellungnahme seines Agenten seien diese Äußerungen jedoch häufig missverstanden oder aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Demnach verstehe Torishima Kritik gegenüber Werken, die er grundsätzlich schätzt, oft als eine Form von »harter Liebe« beziehungsweise als bewusst provokante Motivation zur Verbesserung. Werke, die er wirklich ablehne, würde er laut der Erklärung hingegen gar nicht erst öffentlich thematisieren.
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Via X
© Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotable; © Gege Akutami / Shueisha, JUJUTSU KAISEN Production Committee; © Toei Animation Co., Ltd. © Bird Studio/Shueisha, Toei Animation
Gott bewahre man liest mehr – und denkt dabei vielleicht noch nach. Das kann man ja niemandem zumuten.
Mehr lesen kann auch bedeuten, weniger Raum fürs selber Nachdenken zu lassen, weil alles sowieso erklärt wird 🤷♂️
Okay, das ist ein Punkt. Ja. Ich kann doch aber davon ausgehen, dass man den Leuten die Inhalte nicht derartig kleinteilig vorkaut, oder?
Die Kritik von Torishima ist absolut berechtigt. Mir ist auch klar, dass er aktuell viel mit Kritik in den Schlagzeilen ist. Wenn man sich aber von den oben genannten mal wirklich Jujutdu Kaisen und One Piece anschaut: ja die sind definitiv zu textlastig. Das ist mir zum Beispiel bei One Piece im Marinefordarc negativ aufgefallen. Der Arc ist super kampflastig und da wird palavert was das Zeug hält, das hätte man alles wegrationalisieren können. Auch wird generell vieles erklärt was man einfach zeigen könnte. Jujutsu Kaisen macht es in der Hinsicht zumindest in den Kämpfen besser, aber auch da nehmen die Erklärungen überhand. Manga ist halt auch ein visuelles Medium, nicht nur eines zum lesen, da finden viele einfach den Spagat nicht so recht. Ich würde persönlich auch die Aussage nicht auf alle Manga pauschal anwenden, auf Action Shōnen allerdings definitiv.
Nichts desto Trotz sind die genannten Manga, soweit ich sie kenne, beileibe nich schlecht, aber im Punkto Erzählfluss, Lesbarkeit etc, haben sie definitiv so ihre Schwächen.
Chainsaw Man? Textlastig? Alter dann soll er doch ein bilderbuch »lesen«
Was labert der?!?
Es soll ja auch nicht alles zu einfach sein
Kann gerne weiter so bleiben
Das mit »einfach« zu assoziieren ist ein typischer Trugschluss. Man sollte textlastig nicht automatisch mit Komplexität oder Tiefgang verwechseln. Textlastig kann nämlich auch das Gegenteil bedeuten, dem Leser alles vorzukauen, damit er nicht zu viel selbst nachdenken muss/soll (Shonen-Manga haben z.B. auch mal viel Text, mega komplex sind sie dadurch nicht automatisch). Auch wird die visuelle Erzählung (»Show, don’t tell«), um selbst komplexere Sachverhalte mit nur wenigen Worten dazustellen, viel zu oft unterschätzt. Dabei ist diese Art der Erzählung sogar anspruchsvoller für Autor aber auch Leser, in Manga oder Anime jedoch leider weniger verbreitet. Das ist aber alles kein neues Phänomen, das war eigentlich schon immer so, da wurde auch viel geredet ohne viel zu sagen. Das fällt dann erst richtig auf, wenn ein Manga eine Anime-Adaption bekommt, da stehen die Charaktere dann die ganze Zeit an einem Fleck und rattern ihre ganzen Dialogzeilen runter oder erklären ganz offensichtliche Dinge, die zwar im Manga aufgrund der statischen Zeichnungen erklärt werden müssen aber im Anime eben nicht mehr, weil sich das Bild nun mal bewegt und wir alle gesehen haben was da gerade passiert ist.
Ganz unrecht hat er ja nicht, es gab über die Jahre Mangareihen wo ich auch fand dass die Kapitel einfach überladene Sprechblasen haben und die Zeichnungen in den Hintergrund geraten. One Piece ist sicherlich solch ein Titel aber ganz schlimm empfand ich das damals bei Negima. Die Reihe hatte an sich schon super viele Charaktere wo es manchmal schwer fiel die Übersicht zu behalten und dann hast du auf jeder Seite erstmal eine Wall of Text. Es gibt aber auch Serien wie Bleach wo ich finde, dass die Seiten zu leer waren und etwas mehr Text vertragen konnten. Am besten ist halt der Mittelweg.
Ach Gottchen, Torishima ist weithin bekannt für derartige, polarisierende »Rundumschläge«. Er hat auch schon LN-Leser in Japan oder »Anime-Onlys« in den USA beleidigt, wie »unwürdig« diese doch seien, da sie nicht wie er die »wahre Kunst des Manga« wertschätzen würden. Der Kerl ist inzwischen über 70 und hält sich immer noch für einen primus inter pares unter den Manga-Redakteuren bzw. in der gesamten Manga/Anime-Branche. Natürlich inklusive der bei solchen Leuten oft vorkommenden, selbstgerecht-überheblichen Art. In den letzten Jahren – wie bereits angesprochen – deutlich verstärkt. Das dürfte sicher auch damit zusammenhängen, dass er auf dem aktuellen Manga-Markt nicht mehr wirklich viel zu melden hat – sonst wären die Manga eben heute nicht so, wie sie sind…
Also der sollte langsam mal runter kommen, sich wichtig zu nehmen und zu machen, ist eine sache. Aber wenn man immer nur stunk macht weil man immer mehr in der bedeutunglosigkeit versinkt unter anderem weil man ständig zu allen möglichen sachen seinen senf dazu geben muss und damit eben auch oft sehr unliebsame und schlecht formulierte aussagen macht, sollte man vielleicht auch einfach mal sich zurücknehmen.