TV-Produzent sieht Streaming-Allianzen als Hoffnung für Anime-Industrie

Strategische Partnerschaften von Anime-Studios mit globalen Giganten wie zum Beispiel Netflix könnten laut Insidern eine Abwendung von den kontroversen Produktionskomitees bewirken. Wir fassen nachfolgend zusammen.

Abwendung von Produktionskomitees

Erst vor Kurzem hat das renommierte Anime-Studio MAPPA eine Zusammenarbeit mit Netflix angekündigt, in deren Mittelpunkt die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung neuer Anime-Projekte steht. Gleichzeitig betonte das Studio, dass die Partnerschaft auf der Überzeugung basiert, ein unabhängiges Unternehmen zu sein.

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Bereits mit »Chainsaw Man« realisierte MAPPA dieses Vorhaben und setzte auf einen studiozentrierten Ansatz, bei welchem man die Anime-Adaption in Eigenregie, ohne die Beteiligung eines Produktionskomitees, produzierte.

Diese Neuausrichtung könnte sich laut dem erfahrenen TV-Produzenten Hiromichi Shizume schon bald in der Branche etablieren – sofern auch andere Studios einen Wunsch nach Unabhängigkeit hegen und das System der Produktionskomitees umgehen, indem sie Verträge mit Streaming-Diensten wie Netflix abschließen.

Immer mehr Insolvenzen

Auch wenn Anime-Produktionskomitees, die sich zumeist aus Unternehmen wie Manga-Verlagen, Rundfunkanstalten und diversen Vermarktern zusammensetzen, die finanziellen Risiken der Studios verringern, sind sie ebenso dafür bekannt, den Studios kaum Gewinne zu ermöglichen. Infolge dieser Struktur (sowie auch anderer Faktoren wie Personalmangel) gibt es immer mehr Studios, die Insolvenz anmelden müssen.

Shizume ist der Ansicht, dass Direktverträge zwischen Studios und global agierenden Verbreitungsplattformen höhere Produktionsbudgets ermöglichen würden, was auch zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen könnte.

Es bleibt abzuwarten, ob solche Partnerschaften das System der Produktionskomitees ins Wanken bringen können. In diesem Zusammenhang wäre es ohne Zweifel von Vorteil, wenn die Zusammenarbeit von MAPPA und Netflix mehrere große Hits hervorbringen würde, um den Druck nochmals zu erhöhen.

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Via Pinzuba
© Tatsuki Fujimoto, Shueisha / Chainsaw Man Production Committee

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Ich

Hmm … es könnte aber auch sein, dass man von einer Abhängigkeit in eine andere geht. Man ist ja dann von dem Streaming Anbieter abhängig. Und wenn dann der Streaming Anbieter sagt ‚Macht das so und so oder wir nehmen es nicht‘ hat man ja auch nichts gewonnen.

Es kommt dann halt wirklich drauf an was man aushandeln kann und ob das dann wirklich als Partnerschaft betrachtet werden kann oder nur den Namen Partnerschaft hat. Aber das wird die Zeit zeigen müssen.

Marcus Cyron

Abhängigkeit vom Geldgeber ist im Kapitalismus immer da. Dennoch dürfte das »westiche System« deutlich humaner in diesen Punkten sein.

Stefan Ringel

Oder auch nicht – Die Anhängigkeit könnte auch größer werden und die Profitabilität auch sinken. Es ist immer friss oder stirb!

Ryuichi_Kato

Wir wissen alle nicht, was in dem oder in andere Verträge drinsteht. Bleibt nur das Beste zu hoffen aber nichtsdestotrotz auch das schlimmste zu Erwarten.

Ich

Na ja, ob das wirklich so ist … es gibt auch ‚im Westen‘ … wie drücke ich mich aus … sehr profitorientierte Unternehmen. Ob das dann tatsählich humaner ist, wird wohl die Zeit zeigen. Ich meine, wenn es funktioniert, ist es doch eine schöne Sache; dann hat man eine Alternative entdeckt. Aber da werden wir wohl abwarten müssen wie es sich entwickelt.

Tumirjanix

Es ist wie im Artikel beschrieben davon abhängig, wie erfolgreich die entsprechenden Produktionen sind und was man mit entsprechenden Streaming Diensten aushandeln konnte, neben der Tatsache wie erfolgreich man gut sich die Lizenzen von möglicherweise bekannten Manga und Webnovels einheimsen kann.
Je nachdem kann das die Verhandlungsbasis gegenüber den Kommitees entweder stärken oder nicht. Und die abhängigkeit bleibt ja prinzipiell in jeder Konstellation bestehen, es wird wohl kaum ein Studio geben das einen eigenen streaming Dienst oder Vertriebsweg für physische Produkte – vorallem für den weltweiten Markt – auf die Beine stellen kann.
Aber allein dass so ein renommiertes Studio wie Mappa eine entsprechende Partnerschaft eingegangen ist erhöht schon den Druck bei moglichen Komitees

Saya

Stimmt, dazu kommt die Abhängigkeit des Streaming Anbieter, das du nur von dieser Platform Streamen darfst, was wesentlich dazu beiträgt das weniger Menschen den Anime überhaupt sehen als gewollt. Den wen die Verpflichtung wie zb bei Netflix ein Abo ist und viele nicht bereit sind das Abo zu bezahlen (oder keine lust haben 5 Abo von 5 verschiedenen Streaming dienste zu abonieren) geht der Anime ohne die Piraterie unter. Das ähnliche System bassiert bei Disney + du kannst Disney serien oder Filme nunmal nur bei ihrem Streaming Anbieter ansehen. Was folgen hat das diese untergehen und abhänging sind am ende von denen die bereit sind ein Abo abzuschliessen.

Maurice

Wenn am Ende mehr positive Vorteile für Mangaka und die, die Anime produzieren dabei rumkommen
und weniger in Insolvenz gehen
Damit immer mehr tolle Anime produziert werden können
Sollte doch dann alles passen
Bleibt nur zu hoffen das es dann auch vorteilhaft für alle bleibt und niemand ausgenutzt wird usw.

Ai Hoshino

Das wusste ich nicht diese Idee dahinter. Grundsätzlich klingt das gut, ABER solange netflix nicht die meisten seasonals veröffentlicht, sehe ich schwarz das die Leute von Crunchyroll zu netflix wechseln.

Ryuichi_Kato

Denke das eine Multistreaming-Plattformen Strategie nach wie vor das beste für einen Anime ist. Hoffe das dieser Vertrag nur darauf fußt, das man den Weg um die Produktionskomitees herumführt.
Allerdings verspricht sich natürlich Netflix was aus diesem Vertrag, was wahrscheinlich gegen meinen Punkt spricht, aber mal schauen, was die Zukunft so bringt.

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