Wer Kitaro vor allem aus familienfreundlichen Abenteuern kennt, dürfte bei »The Birth of Kitaro: Das Geheimnis von GeGeGe« eine Überraschung erleben. Der Anime-Film schlägt deutlich düsterere Töne an und richtet sich bewusst an ein erwachsenes Publikum.
polyband anime hat den Streifen als Collector’s Edition auf Blu-ray veröffentlicht. Wir haben uns die Ausgabe angesehen und schildern unsere Eindrücke.
Ein Familienerbe mit tödlichen Folgen
Im Jahr 1956 reist Mizuki, ein Angestellter der kaiserlichen Blutbank, in ein abgelegenes Dorf, wo ein Konflikt um die Nachfolge innerhalb eines Pharma-Unternehmens tobt.
Mizuki soll nicht nur die Ergebnisse der Testamentsvorlesung aus erster Hand in Erfahrung bringen, sondern auch Informationen über ein geheimes Serum sammeln, welches den Ruhm und den Erfolg der Ryuuga-Familie begründet, die das Pharma-Unternehmen leitet.
Doch in dem Ort geht es nicht mit rechten Dingen zu. Mizuki wird mit mysteriösen Todesfällen, dunklen Geheimnissen und einem gespenstischen Fremden namens Gegero konfrontiert, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau ist …
Stimmlich auf ganzer Linie überzeugend
Für die deutsche Synchronisation von »The Birth of Kitaro: Das Geheimnis von GeGeGe« war das Studio Tonwerk München @Alpha Postproduktion GmbH verantwortlich. Marget Flach (»Horimiya«) führte die Dialogregie, während Shiona Leisner (»Hakaba Kitaro: Der Junge vom Friedhof«) das Dialogbuch verfasste.
René Oltmanns (Shigure Soma in »Fruits Basket«) gefällt mir als Mizuki ausgesprochen gut. Der zunächst ehrgeizige Bankangestellte wird durch die grausamen Machenschaften des Ryuuga-Clans zunehmend mit seinem eigenen Gewissen konfrontiert. Oltmanns bringt diese Veränderung stimmlich überzeugend zur Geltung und findet sowohl für die ruhigeren als auch für die emotional aufgeladenen Szenen den richtigen Ton.
Max Laprell (Hatori Soma in »Fruits Basket«) übernimmt die Rolle von Gegero, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau nach Nagura kommt. Hinter seinem zunächst zurückhaltenden Auftreten steckt ein entschlossener Mann, der für seine Familie einiges auf sich nimmt. Laprell verleiht ihm eine passende Stimme und harmoniert gut mit Oltmanns. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Hauptfiguren kommen in der deutschen Fassung gut zur Geltung.
Gerhard Acktun ist erneut als Wandelndes Auge zu hören und sorgt damit für eine vertraute Stimme aus »Hakaba Kitaro«. Der kurze Auftritt von Kitaro, gesprochen von Andreas Hagl (Tatsuya Oda in »Loner Life in Another World«), fügt sich ebenfalls gut ein. Die weiteren Rollen sind überzeugend besetzt, selbst die kindlichen Figuren klingen angenehm natürlich. An der deutschen Synchronisation gibt es für mich nichts auszusetzen.
Collector’s Edition mit spannenden Produktionshintergründen
»The Birth of Kitaro: Das Geheimnis von GeGeGe« entstand unter der Regie von Go Koga im Studio Toei Animation. Der rund 105-minütige Anime-Film feierte im November 2023 seine japanische Kinopremiere.
polyband anime veröffentlichte den Film im Februar 2026 als limitierte Collector’s Edition im Mediabook, die wahlweise mit Cover A oder Cover B erhältlich ist. Uns lag für die Rezension die zweite Variante vor.
Das 32-seitige Booklet bietet neben einer Einführung in die Geschichte zahlreiche Charakterentwürfe und ausführliche Interviews mit Drehbuchautor Hiroyuki Yoshino, Charakterdesignerin Toko Yatabe und Regisseur Go Koga. Die Gespräche liefern interessante Einblicke in die Entstehung der Geschichte und die Gestaltung der Figuren.
Auf der Blu-ray sind weitere Extras enthalten: Neben einem Animations-Reel und dem Kinotrailer gibt es zwei im Rahmen der Nippon Connection geführte Interviews mit dem Regisseur und dem Produzenten.
Das Bild liegt im Format 16:9 (1,78:1) vor. Für die deutsche Synchronfassung und den japanischen Originalton steht jeweils DTS-HD Master Audio 5.1 zur Verfügung. Deutsche Untertitel sind ebenfalls enthalten.
Eine düstere Vorgeschichte voller Grauen und Geheimnisse
»GeGeGe no Kitaro« verbindet man üblicherweise mit familienfreundlichen Abenteuern rund um japanische Yokai. »The Birth of Kitaro: Das Geheimnis von GeGeGe« schlägt dagegen eine deutlich härtere Richtung ein. Der Kinofilm aus dem Jahr 2023 erzählt eine eigenständige Vorgeschichte zur Anime-Serie von 2018 und richtet sich bewusst an ein erwachsenes Publikum. Obwohl ich mit Kitaros Welt bereits vertraut war, hat mich diese düstere Interpretation überrascht.
Die Geschichte führt ins Japan des Jahres 1956, wo ein abgeschiedenes Dorf zum Schauplatz zunehmend grausamer Ereignisse wird. Der Horror entsteht nicht allein durch übernatürliche Wesen, sondern ebenso durch menschliches Handeln. Brutale Morde, blutige Auseinandersetzungen und verstörende Geheimnisse lassen kaum Zweifel an der erwachsenen Ausrichtung. Die Freigabe ab 16 Jahren erscheint angesichts der stellenweise schonungslosen Darstellung durchaus gerechtfertigt.
Seinen Reiz zieht der Film allerdings nicht nur aus der Härte. Die geheimnisvolle Dorfkulisse vermittelt früh ein ungutes Gefühl, während sich hinter den Ereignissen nach und nach ein größeres Geheimnis abzeichnet. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten und die actionreichen Passagen fügen sich gut in das düstere Geschehen ein. So entwickelt sich eine packende Mischung aus Mystery, Horror und Action, die während der gesamten Laufzeit kaum Langeweile aufkommen lässt.
Regisseur Go Koga erklärt im Mediabook-Interview, dass die Produktion von Anfang an als Film für Erwachsene geplant war. Als Inspiration diente unter anderem der japanische Mystery-Klassiker »Yatsuhakamura« aus dem Jahr 1977. Diese Ausrichtung macht sich in der Inszenierung bemerkbar. Die bedrückende Atmosphäre, die visuelle Gestaltung und die zunehmend heftigen Ereignisse greifen gut ineinander, ohne dass der Film seinen erzählerischen Faden verliert.
»The Birth of Kitaro« hat mich ausgesprochen positiv überrascht. Statt eines gewöhnlichen Abenteuers aus Mizukis bekannter Figurenwelt bekommt man einen atmosphärisch dichten und stellenweise ziemlich brutalen Horrorfilm geboten. Die eigenständige Geschichte funktioniert auch abseits des vertrauten Kitaro-Konzepts und macht die Vorgeschichte zu einer sehenswerten Ergänzung des Franchise.
©»Kitaro Tanjo Gegege no Nazo« Production Committee